Samstag, 25. Oktober 2008

Ohne Worte

22. October 2008

Dear Simon

I am pleased to confirm our offer of employment to the role of Medium Term Design Engineer. In this position you will be located at Mount Thorley Warkworth.
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To accept this offer please sign the acceptance letter, and return it with a copy of the letter and Schedule by the 28 February 2009.

I look forward to you joining the team and assisting us to meet the many challenges and opportunities that lie ahead for our business.

Yours sincerely

Cam Halfpenny

General Manager - Mount Thorley Warkworth
Rio Tinto Coal (NSW) Pty Limited

Strom, Schlangen, Kohlebrände und warum Lasagne gefährlicher ist als Sprengstoff

Wir haben wieder mal Wochenende, also gibt’s einen neuen Eintrag von mir. Heute schreibe ich über mehrere Sachen, die in der letzten Zeit passiert sind / mir aufgefallen sind.
Als ich vor kurzem wieder mal meinen untrainierten Körper durch Singleton schob, hatte ich einige Zeit um mir die Landschaft anzuschauen. Allerdings gestaltet sich das manchmal als etwas schwierig, da diverse Masten den Blick in die Landschaft beeinträchtigen. Anders als bei uns in Deutschland hat man hier nämlich keine Lust, die Strippen unter die Erde zu verdammen. Na ja, hat auch was Gutes, denn ansonsten wär mir gar nicht aufgefallen, dass die Leute innerorts zwei verschiedene Stromnetze haben. Nachfolgende Erläuterungen werden (elektro)technikaversen Personen nicht sonderlich zu sagen. Ihnen wird empfohlen, ab dem folgenden Absatz weiter lesen. Zurück zu den Strommasten. Die bestehen nämlich aus zwei Etagen. Auf der oberen Etage befinden sich drei Drähte, während drunter vier Drähte angebracht sind. Es war mir nicht gleich von Anfang an klar, ob es sich dabei nicht vielleicht um ein Gleichstromnetz handelt (man weis ja nicht, was die Leute hier so anstellen). Spätestens als ich metallische Abstandshalter gesehen habe, an die alle vier Drähte befestigt waren, war klar, dass es eine Wechselstromnetz sein muss und zwar – ihr erahnt es sicherlich bereits – in Sternschaltung. Doch nun wissen wir alle, dass Überlandleitungen ja keinen Nulleiter haben, da sie im Dreieck geschaltet sind. Während wir in Deutschland alle paar Kilometer ein Trafohäuschen haben, lösen das die Ozzis anders. Sie führen einfach das Überlandnetz durch die Ortschaften (die oberen drei Drähte auf dem Masten) und hängen je nach Bedarf einen Trafo an die Stromleitung, dessen Ausgang in Stern geschalten ist. Irgendwie schon komisch, wenn man die Dinger an den Masten hängen sieht und ich frage mich, ob die Erdung da jedes Mal einwandfrei funktioniert, aber na ja. Auf alle Fälle ist dieses System sehr flexibel, denn wenn jemand ein Haus baut und die Trafokapazität nicht mehr ausreicht, setzt man einen zweiten daneben. Die Deutsche Version erscheint aber doch etwas professioneller und wir denken halt in Sachen Kapazität immer etwas weiter in die Zukunft. Welche Spannung das Überlandnetz hat, konnte ich bisher noch nicht in Erfahrung bringen. Jeden, den ich bisher danach fragte, schaute mich irgendwie blöd und achselzuckend an… haha.

Nächstes Thema: Im Gegensatz zur Deutschen Natur hat die australische Natur noch durchaus einen mitunter furchteinflößenden, wilden Charakter. Zumindest tummeln sich hier allerhand Viecher rum, die man nicht wirklich gerne näher kennen lernen möchte. Für mich als Deutschen klang es erst etwas befremdlich, als mir alle gesagt haben, ich solle ja mein „Mückengitter“ in meiner Schiebetür zur Terrasse immer schön zu machen, auch wenn ich nur kurz raus oder rein gehe. Denn allzu schnell hat man dann Kriechtiere im Haus. Die Rede ist von Schlangen. SSSzzzZZZssSSSssssZZzzzZZzssSSS!
Jetzt wo wieder die warme Jahreszeit ansteht, sind auch wieder Schlangen unterwegs. Besonders im Bergwerk sonnen sie sich gerne auf den dunklen Halden. Deshalb wird immer wieder darauf hingewiesen, dass man aufpassen und immer festes Schuhwerk tragen soll.
Als ich dann vor zwei Wochen mal alleine im Pit unterwegs war, hatte ich dann auch meine erste Bekanntschaft mit den kriechenden Kollegen. Doch glücklicherweise verstand mein Gegenüber die weltweit verstandenen und universell einsetzbaren bayerischen Redewendungen zur gezielten Verabschiedung von Personen – und offensichtlich auch Tieren. Jedenfalls konnte sie mir keine wirklichen Argumente entgegensetzen und bevorzugte die Variante, schleunigst abzuzischen, was sie dann auch ganz eindrucksvoll zeigte. Na ja, ganz so gut gings mir dabei ehrlich gesagt nicht. Deshalb habe ich auch vergessen zu fragen, wie sie heißt. Mir fällt die Unterscheidungen dieser Viecher genauso leicht, wie die der Vögel. Ich bevorzuge deshalb die allgemeine Bezeichnungsweise: Schlangen. Ich werde mich in Zukunft an sie gewöhnen müssen, denn sie zählen hier zu den geschützten Tieren und es ist verboten, Schlangen zu fangen oder zu töten. Deshalb hatten wir letztes Jahr unter der Treppe unseres Büros den ganzen Sommer über eine so genannte Eastern Brown Snake (siehe Bild). Wenn Sie Dich zum Fressen gerne hat, lässt sie Dir gerade mal 30 Minuten Zeit, darüber nachzudenken, was Du im Leben falsch gemacht hast. Also wenn die Schlange Eva damals gedroht hat, sie zu beißen, falls sie den Apfel nicht isst, hätte ich ihn an ihrer Stelle wahrscheinlich auch gegessen…

Der Wessi Heiko hat mir letztens eine Email mit ein paar interessanten Bildern in den Osten geschickt, die ich euch nicht vorenthalten möchte. Es geht nämlich um den Rohstoff, den wir hier abbauen, die Steinkohle. Manchmal kann es passieren, dass Steinkohle in Brand gesetzt wird, entweder durch Brandstiftung, bzw. durch menschlichen Einfluss oder durch Oxidationsvorgänge wenn ein Kohleflöz an die Eroberfläche ausbeißt. Egal, wer daran Schuld hat, sobald die „Erde brennt“ hat man ein gewaltiges Problem. Denn solche Brände lassen sich eigentlich kaum bekämpfen und brennen ewig lange. Beispiele hierfür gibt es praktisch in jedem Land, in dem Steinkohle vorkommt. Übrigens auch in Deutschland brannte mal ein Flöz mehr als 200 Jahre. Ein noch eindrucksvolleres Beispiel gibt es hier gleich um die Ecke: die Burning Mountains. Von den ersten Siedlern als Vulkan identifizierter rauchender Berg entpuppte sich als brennendes Kohleflöz. Aufgrund des messbaren Brandfortschritts pro Jahr wird geschätzt, dass der Brand seit ungefähr 5.500 Jahren ununterbrochen anhält!! Ich werde mir die Gegend in der nächsten Zeit mal genauer anschauen.
Zur Information: Schätzungsweise verbrennen pro Jahr alleine in China ca. 100 Mio. Tonnen Steinkohle. Das entspricht dem 5-Fachen der Deutschen Förderung. Selbstverständlich erfolgt diese Verbrennung unter den denkbar ungünstigsten Bedingungen mit entsprechend hohen Emissionen. Hinsichtlich des Treibhausgasausstoßes ist das ein echter Faktor, der nicht zu vernachlässigen ist. Es wird deshalb mittlerweile sehr viel unternommen, um solche Brände einzudämmen. Sogar die TU Bergakademie Freiberg ist in Forschungen zu diesem Thema involviert.
Nichtsdestoweniger ist das Löschen ein schwieriges Unterfangen. Wie so etwas in einem laufenden Betrieb in Queensland mal ausgesehen hat, seht Ihr auf den folgenden Fotos. Man bedenke, dass man den Brand sofort bemerkte und Bekämpfungsmaßnahmen einleitete, um das angrenzende Gebäude zu schützen.

Zum Schluss möchte ich noch auf Gefahren im Haushalt hinweisen. Letzten Sonntag hatte ich mir gedacht, ich mache mal Lasagne. Natürlich gabs die schon fertig vorbereitet im Supermarkt, sodass ich sie trotz meiner Faulheit ziemlich schnell genießen konnte. Dafür dass sie von der Marke McCain war, war sie erstaunlich gut. Ich glaub ich werde doch noch Republikaner…
Da das Stück etwas groß war, hatte ich mir was für den Montag aufgehoben. Als ich dann am Abend Heim kam, hab ich sie schnell in die Mikrowelle geschoben und … mein blaues Wunder erlebt. Irgendwie war sie vielleicht zu stark eingestellt, auf alle Fälle knallte es und die schöne Lasagne befand sich als Auskleidung am Mikrowellengehäuse. Na ja, es blieb schon noch etwas auf dem Teller, aber meine Mikrowelle sieht seitdem nicht mehr wirklich feierlich aus. So wie es aussieht, hat meine Putzfrau noch nicht gemerkt, dass sie auch mal einen Blick in die Mikrowelle werfen sollte. Ich hab mir schon gedacht, ich kauf Ihr ein kleines Dankeschöngeschenk und leg es da rein, mit nem Hinweiszettel davor… Ich gebe zu, das ist ein böser Witz und ich werde das natürlich nicht machen. Vielmehr bin ich diesem Engel sehr dankbar und letztens habe ich Ihr mal ne Freude gemacht und alles schön aufgeräumt, sodass sie nichts mehr machen musste.

So das solls mal wieder gewesen sein. Wir sehen uns dann in knapp zwei Monaten.

Bis bald!

Simon

Freitag, 17. Oktober 2008

Halbzeit

So, Leute,

heute wird’s wirklich nur ganz kurz, da letzte Woche sehr wenig Neues passiert ist und ich deshalb kaum was zu erzählen habe. Kurz nachdem ich meinen letzten Blogeintrag online gestellt hatte, bekam ich die Info, dass meine Bewerbung bei Rio Tinto Iron Ore wahrscheinlich mit einer Absage beantwortet werden wird, da das RTIO Graduate Program für das kommende Jahr schon voll belegt ist. Allerdings kann sich das durch Fluktuation der Graduates auch noch ändern, sodass die Chancen nicht gleich null sind. So lange ich nichts offiziell gehört habe, möchte ich diese Chance noch nicht als verloren betrachten, auch wenn die Wahrscheinlichkeit für eine Zusage marginal ist. Im Grunde ist allerdings selbst eine Absage nicht weiter tragisch, da ich ja nur die Anzahl meiner Wahlmöglichkeiten erhöhen möchte, also kurzum Jammern auf hohem Niveau…

Gestern Abend hatte ich die Schnauze voll von der Arbeit und war froh, dass das Wochenende bevorstand. Colby hatte mich eingeladen, bei Ihm vorbei zu schauen, was ich auch gerne machte. Bei Ihm angekommen, wartete auch schon Tom auf mich, um mit dem Kochen anfangen zu können. Es gab wirklich gutes Steak und ich muss gestehen, dass ich das nie so hinbekommen hätte. Aber dafür hat man ja solche Kollegen. Nach dem Essen sind wir ins Criterion, eine der zahlreichen Discos in Singleton. Wie immer war die Bude brechend voll und die Stimmung gut. Manch einer wird sich wohl etwas verwundert die Augen reiben, dass er so etwas von mir liest – na ja, manchmal gehe auch ich abends mal aus. Irgendwie haben wir dann die Zeit auf der Tanzfläche vergessen, sodass es dann schon hell war, als ich zu Hause ankam. Das ist echt ein Problem hier, mein Schlafdefizit los zu werden.

Na ja, nächste Woche bin ich noch mal im Büro, bevor es dann für einige Zeit zum SKW fahren geht. Ich freu mich schon drauf.

Übrigens ist jetzt genau Halbzeit in meinem Praktikum und es ist unglaublich, dass ich in zwei Monaten schon wieder zu Hause sein werde.

Macht's gut und bis bald!

Simon

Montag, 13. Oktober 2008

Das Ende ist zum Greifen nahe..

Diese Woche mache ich es ganz kurz, nicht weil ich nichts zu erzählen hätte, sondern einfach deshalb, weil ich sehr viel zu tun habe und mir für einen größeren Eintrag etwas die Zeit fehlt.
Leider sieht’s im Moment auch nicht danach aus, dass sich das in der kommenden Woche ändern wird. Danach sollte es allerdings besser werden. Dies ist organisatorisch bedingt, da ich ab Montag, dem 27. Oktober vier Wochen lang Muldenkipper im Tagebau fahren werde. Bis dahin muss auch mein Kippen- / Haldenprojekt abgeschlossen sein.
Vielleicht sollte ich mal das „Rätsel“ mit den Halden und Kippen lösen. Allen nicht bergbaubewanderten sei hiermit erklärt, dass Halden definitionsgemäß Materialschüttungen sind, die oberhalb des Geländes liegen, während sich Kippen in einem künstlich geschaffenen Hohlraum befinden. Wie das immer so ist, gibt’s im englischsprachigen Raum solche Unterschiede nicht. Da heiß alles DUMP.
Irgendwie bin ich froh, dass dieses Kapitel Halden / Kippen für mich dann abgeschlossen ist, nachdem ich mich nun drei Wochen ausgiebig damit beschäftigt habe. Es wäre zwar eigentlich mehr Zeit notwendig und ich werde das Projekt auch nicht vollständig abschließen können – die Konstruktion der Kippen nimmt sehr viel Zeit in Anspruch, allerdings ist mein geleistetes Arbeitspensum doch ganz beträchtlich und die Ergebnisse, so denke ich, können sich durchaus sehen lassen.
Nun kommt es nur noch darauf an, die in den vergangenen Wochen und diese Woche ausgearbeiteten Ergebnisse in einem kurzen Dokument zusammenzufassen. Ich hab heute mal schnell ein paar Grafiken zusammengestellt und gleich 15 Seiten raus bekommen. Es sieht ganz so aus, dass ich mich mal wieder den Seitenumfang solcher Arbeiten unterschätzt habe… Es sind aber überwiegend nur Bilder, von daher habe ich meine Englischkenntnisse noch nicht allzu sehr strapazieren müssen. Interessant ist bisher allerdings, dass ich mich offensichtlich im Englischen leichter tue, einen Sachverhalt darzustellen. Das liegt ziemlich eindeutig an meinen Englischkenntnissen, die einen komplizierten Satzbau gar nicht erlauben und daher zu einfachen Aussagen zwingen. Vielleicht gar nicht so schlecht, wenn ich mir das auch mal im Deutschen vornehmen würde. Das soll nun aber keine Entschuldigung für mein Englisch sein.…

Ja, das ist der aktuelle Planungsstand, der November wird sich also zu einem großen Teil auf einem Liebherr, CAT oder Dresser Muldenkipper (oder allen dreien) abspielen. Dazu gibt’s aber erst mal 1,5 Wochen Training im Vorfeld (mit Fahrsimulator), damit ich das Ding auch sicher die Rampen rauf und runter manövrieren kann. Schließlich soll ich ja auch Herr über 250t – 300t sein, selbst wenn es 10% bergab geht und außerdem soll durch mich keiner zu Schaden kommen.

Danach geht’s wieder zurück ins Büro, wo ich wahrscheinlich für Vanessa die kommenden Abbau für das nächste Jahr planen und konstruieren werde.
So gesehen durchlaufe ich mein Praktikum entgegengesetzt zum Materialstrom: Angefangen von den Halden / Kippen, über den Materialtransport, bis hin zum Gewinnungsort.

Ich hab aber auch schon zu Dave gesagt, dass ich nach diesen zwei Wochen nicht mehr so viele Stunden im Betrieb sein und nun meine Überstunden zurückfahren werde. Eigentlich hat er das eher mit Erleichterung aufgenommen, al s mit Erstaunen. Aus seiner Sicht habe ich Ihn in den vergangenen Wochen mit meiner Arbeit und (wahrscheinlich eher) Einstellung überzeugt. Ich kann davon ausgehen, dass ich ein Arbeitsangebot mit nach Deutschland nehmen werde. Die Details werden in den kommenden Wochen geklärt. Für eine Entscheidung lasse ich mir allerdings bis zum Jahreswechsel Zeit, da ich meine anderen Bewerbungen noch abwarten möchte. Vielleicht geht’s ja doch ins Pilbara oder in den amerikanischen Erzbergbau.
Die zweite Praktikumshälfte werde ich dazu nutzen, mal nach Sydney zu fahren und die Gegend um diese Stadt erkunden. Leider hat sich ja der geplante Besuch von Heiko zerschlagen, sodass ich das nun allein machen muss. Vielleicht kann ich aber einen Abstecher nach Northparkes machen und dabei Claudi’s Bergwerk besichtigen. Das würde sich anbieten, da ich sowieso nach Orange fahren werde, um mir dort Newcrest’s Ridgeway Gold- / Kupfer block cave operation (Blockbruchbau, unter Tage) anzuschauen. Hab jemanden von dort kennen gelernt, der mich gleich zu einer Tour eingeladen hat.

Ihr seht, ich hab straff zu tun, damit ich auch mal etwas Kultur in mein Programm bekomme. Aber ich denke, ich krieg das hin. Dann werde ich hoffentlich auch eine Kamera haben und Euch wieder mit frischen Bildern versorgen können.

Na ja, als kurz kann man den Eintrag nicht betrachten, allerdings ging die Schreiberei jetzt in zehn Minuten über die Bühne, was ich noch verkraften kann…

Ich melde mich nächste Woche wieder.

Bis bald und Glückauf

Simon

Freitag, 3. Oktober 2008

Hoch und tief, kalt und warm,… – eine Woche voller Gegensätze und die "Autobahn"

Es ist der erste Freitag im Oktober und dieser noch junge Monat ist dieses Mal deutlich anders als in den vergangenen Jahren - halt einfach verkehrt. Es hat nun überall zu blühen begonnen und der Frühling befindet sich auf seinem Höhepunkt. Es ist absolut erstaunlich, wie schnell sich die Landschaft hier verändert. Befand sich vor zwei Wochen fast noch alles im „Winterschlaf“, weiden mittlerweile die Kühe mit vollster Zufriedenheit im kniehohen Gras. Auch kann man, wenn man etwas Glück hat, zwischen den Büschen ab und zu neugierige Känguruhälse sehen. Alles scheint in bester Ordnung zu sein, die Tierwelt genießt die paradiesischen Verhältnisse und wir...? Ja, wir rasen am Morgen zur Arbeit, kommen erst wieder nach Hause, wenn es schon dunkel geworden ist und vergessen dabei fast, dass es neben der Arbeit noch was anderes gibt.
Letzte Woche hatte ich zusammen mit einem Kollegen die gewaltige Aufgabe, innerhalb von vier Tagen ein Gewinnungs- und Verkippungsschema für eine Vertragsfirma zu entwerfen, die kommendes Jahr für uns etwas Abraum bewegen soll – insgesamt ca. 10 Mio. Festkubikmeter. Wie Ihr Euch denken könnt, war meine Aufgabe das Kippendesign und dazugehörige Verkippungszeitplan. Als Ergebnis sollte zum Beispiel folgendes ausgesagt werden: Im Monat X habt Ihr 700 Kubikmeter Abraum vom Flöz GMB (50m ü. NN) auf die Kippe Woodlands mit einer Höhe von 90m ü. NN zu transportieren. Klingt einfach, ist es aber ganz und gar nicht. Denn um sagen zu können, auf welchem Höhenniveau abgekippt wird, muss man erst mal wissen, welche Volumina in die entsprechenden Kippenniveaus passen, denn schließlich kann man eine Kippe ja leider nur von unten nach oben kippen. Nun gut, auch das sollte machbar sein. Dumm ist nur, dass man natürlich mehrere Kippen und leider auch Gruben hat und man zum einen berücksichtigen muss, dass auch wir Abraum produzieren und verkippen müssen. Zum anderen wollen die SKWs ja auch immer schön gleichmäßig ausgelastet werden. Das bedeutet, dass man sowohl Fahrdistanz, als auch Höhenunterschiede berücksichtigen muss. So wird man Material von Grubentiefsten nicht zum höchsten Punkt transportieren. Viele andere Parameter sind zusätzlich zu betrachten und lassen das Problem schnell mal unlösbar erscheinen. Nun ginge das ja noch, wäre da nicht noch das Problem des Kippenvolumendefizits. Aus verschiedenen Gründen stehen wir vor dem kleinen Problem, dass wir eine zu geringe Halden- /Kippenkapazität haben. Nur leider weiß keiner, wie hoch dieses Defizit eigentlich wirklich ist. Aber auch dieses ist ja keine feste Zahl, sondern variiert im Laufe der Zeit. So müssen auf der Abraumseite Wege unterhalten werden, entlang derer sich die Halden auftürmen. Mit der Zeit stellen diese Straßen gewaltige Einschnitte dar, die Ihrerseits gewaltige Kippvolumina blockieren. So besteht zum Beispiel die Möglichkeit, durch das Anheben einer Straße zusätzliches Volumen zu generieren. Aber natürlich wollen die SKWs auch nicht Berg- und Talfahrt machen, sondern lieber gemütlich auf einer Ebenen zur Kippstelle fahren. Auch müssen Rampen für Shovels, Trucks und Draglines mit berücksichtigt werden…
Ich denke, Ihr erkennt, dass es da keine schnelle Lösung geben kann und das Ergebnis mit Sicherheit verbesserungswürdig sein wird. Schließlich ändert man praktisch tagtäglich den Plan. Zuerst einmal habe ich die verfügbaren Volumina durch die grobe Konstruktion der endgültigen Kippen bestimmt – eine sehr aufwändige Arbeit. Aber zumindest bin ich jetzt absoluter Fachmann in Sachen 3d-Dig und bekomm praktisch täglich Fragen von Kollegen, wie man das eine oder andere mit dieser Software löst. Da dies bis Donnerstagabend gedauert hat, wusste ich auch erst um 16.30 Uhr, wie viel Kippenvolumen eigentlich zur Verfügung steht. UND DA WAR DER SCHOCK GROSS!! Es fehlen mehrere Millionen Kubikmeter Kippenkapazität. Nun kann man etwas hämisch darüber lächeln, wie blöd wir sein müssen, so was zu verpennen. Nun dafür gibt es mehrere Gründe. Sicherlich ist mangelnde Planung in der Vergangenheit ein Teilgrund dafür. Die Hauptursache liegt allerdings darin begründet, dass die Vertragsfirma mehr oder minder einen Grubenneuaufschluss vollzieht, dessen Mengen ja keine eingeplante „Kippenheimat“ haben – Stichwort: „kritischer Tagebaustand“.
Allerdings interessiert dieser Sachverhalt in dieser Situation nicht so wirklich. Vielmehr muss eine Lösung her, und zwar innerhalb von 15 Stunden, die Nacht inklusive! Und dann geht’s los. Können wir ne Straße verlegen? Lassen wir die Contractors wo anders kippen? Wenn die dumme Dragline Rampe nicht wäre, könnten wir…? Es wir umgeplant, und so weiter. Spätestens zu diesem Zeitpunkt wird klar, dass die gesamte Planung der vergangenen vier Tage bis auf das Ergebnis, dass der Platz nicht reicht, komplett umsonst war. Aber diese Aussage hätte man sonst nicht anders bekommen können. Interessant ist, dass Entscheidungen immer schneller gefällt werden, je weiter der Abend fortgeschritten ist. Schließlich haben wir Prioritäten festgelegt, wo was hintransportiert werden soll. Die „Lösung“ geht von vorläufigen Annahmen aus, wird bereits 2009 den halben für 2010 geplanten Kippenraum in Anspruch nehmen und hofft darauf, dass ICH in den kommenden Tagen noch Kippraum finden werde. Zudem habe ich bereits eingeplant, dass wir einige Halden in Teilbereichen 50m über die genehmigte Endhöhe kippen werden. Wir gehen davon aus, dass dies genehmigt wird und zwar spätestens im ersten Quartal 2009!
In Zukunft sollen solche Situationen vermieden werden und deshalb ein Verkippungsschema entwickelt werden, dass über die einzelnen Strips reproduzierbar ist – das eigentliche Thema meiner Arbeit…
Es ist eigentlich schon absolut cool, wie man mit den einzelnen Parametern spielen kann und darf. Auf der anderen Seite ist das für einen Studenten auch verdammt hart, wenn einem gesagt wird, dass man im Grunde alle Möglichkeiten offen hat und somit keinerlei einschränkende Faktoren, sowohl technischer, als auch organisatorischer Art vorliegen. Jedenfalls fordert diese Aufgabe von mir im Moment totalen Einsatz, sodass ich absolut am Limit arbeite. Zusätzliche Aufgaben wie das Konstruieren von Rampen für meine sehr hilfsbereite, aber auch meist extremst beschäftigten Betreuerin Vanessa stehlen mir bisweilen ganze Arbeitstage. Gestern habe ich zum Beispiel fast den ganzen Tag für Sie eine Dragline Rampe konstruiert. So viel habe ich noch nie an einem Tag in Minescape gelernt, allerdings habe ich das auch mit sehr vielen kostbaren Stunden bezahlt. Jedoch hatte ich im Endeffekt um 19.30 Uhr mein erstes großes Minescape Projekt fertig, Vanessa konnte auch mit mir das Büro verlassen und heute Morgen gab’s nach den Meetings ein äußerst positives Feedback von mehreren Abteilungen.
Ach so, fast habe ich’s vergessen. Ihr habt Euch mit Sicherheit gefragt, warum ich „Autobahn“ in meinem Titel stehen habe. Das liegt daran, dass ich mir ein Denkmal gesetzt habe, genauer gesagt, haben mir dies meine Kollegen gesetzt. Ich hatte eine größere Straße geplant, die eine bestehende in Zukunft (ca. ab Februar) ablösen wird. Da jede Straße einen Namen haben muss, wurde sie, bedingt durch die Herkunft ihres Deutschen Planers, „Autobahn“ getauft. Das hat mich natürlich schon gefreut, schließlich ist es in gewissem Sinne eine Würdigung meiner Arbeit.

Fazit: Hochs und Tiefs waren in dieser Woche ganz nahe beieinander. Ich mache fast jeden Tag wertvolle Erfahrungen nicht nur in technischer Hinsicht, sondern auch bezüglich meiner Persönlichkeitsentwicklung.
In diesem Zusammenhang möchte ich ganz besonders meinem besten Freund Heiko danken, der mir stets sehr mit Rat und Tat zur Seite steht, immer die richtigen Worte findet und somit einen unschätzbaren Wert für mich darstellt.

Damit und mit dem Hinweis auf die Umstellung auf die Sommerzeit am kommenden Sonntag möchte ich mich für heute von Euch verabschieden.

Macht’s gut, liebe Grüße und Glückauf nach Deutschland

Simon