Freitag, 26. September 2008

Brisbane - die Perle Queenslands

Letzte Woche um diese Zeit war ich bereits in meine Brisbane – Woche gestartet. Am Samstagmorgen hat mich Colby um 5.45 Uhr abgeholt und wir sind zusammen zum Flughafen nach Newcastle gefahren. Schnell eingecheckt und mit Qantas nach Brisbane geflogen. Da ich am Freitagabend noch fast bis Mitternacht mit Heiko telefoniert hatte, habe ich vom Flug eigentlich fast nur den Start und die Landung mitbekommen, den Rest habe ich geschlafen. In Brisbane empfing uns dann ein deutlich sommerlicheres Klima und mir wurde klar, dass ich meine Jacke wohl nur mitgenommen hatte, damit ich etwas zu tragen hatte. Man merkte ganz offensichtlich, dass Brisbane ca. 700km nördlicher als Newcastle liegt und deshalb näher am Äquator ist.
Den Samstag und Sonntag habe ich mit Thomas, dem Freiberger Geologen verbracht. Er hat mir ein paar schöne Ecken von Brisbane gezeigt und ich muss wirklich sagen, dass die drittgrößte Stadt Australiens trotz Ihrer 1,8 Mio. Einwohner einen erstaunlich einladend familiären Eindruck macht. Da mein Hotel direkt im CBD war, also in der Innenstadt inmitten der Wolkenkratzer gelegen war, habe ich die gesamte Zeit dort verbracht und bin deshalb nicht an den Strand gekommen. Allerdings war ich mit Thomas am Sonntag am City Beach, das ist eigentlich ein künstlicher Strand, der entlang des Brisbane Rivers auf dem Geländer der ehemaligen Expo 1988 geschaffen wurde. Bis auf den Verlust meiner Kamera, der sich bis heute durch das Nichtvorhandensein von Bildern auswirkt, war die Zeit wirklich schön. Abends bin ich dann entweder mit Thomas oder Colby ausgegangen. Ein Highlight war dabei der Besuch des „Brewhouse Brisbane“, einem schön eingerichteten Restaurant, das eine riesige Auswahl an Bieren anbietet. Doch bevor ich mich an die Bierprobe machte, durfte ich mit Genugtuung feststellen, dass neben der Deutschen Flagge die Bayerische Flagge im Zentrum aller dort an der Wand angebrachten Flaggen hing. Die Australier haben’s eben verstanden, wer die Biernation der Welt ist.
Es hat sich wieder mal rausgestellt, dass ich kein Freund des Schwarzbieres bin und kein anderes Bier dem Weizen / Weißbier das Wasser reichen kann. Interessant war auch wieder mal ein Sachverhalt, der mir schon in den USA aufgefallen war: Die Leute außerhalb Deutschlands nehmen die Deutsche Nazi-Vergangenheit deutlich lockerer, als wir das tun. So wird hier zum Beispiel ein Schwarzbier mit dem Titel „The 4th Reich“ angeboten. Auf dem Etikett prangert der Reichsadler mit ausgebreiteten Schwingen und dem genannten Untertitel. Laut der Beschreibung stammt das „Black Lager“ aus Deutschland, was ich mir allerdings angesichts dieser Titulierung nicht vorstellen kann. Colby, mein kanadischer Kollege konnte hingegen nicht verstehen, warum das für uns ein Problem sein sollte. Hieran erkennt man mal wieder, dass das Problem des Nationalsozialismus in Deutschland einen ganz anderen Stellenwert besitzt als im Ausland.
Ab Montag ging‘s dann jeden Tag von 9.00 Uhr bis 16.00 Uhr ins Mincom Büro. Dort hatten wir unseren Kurs in der Bergbauplanungssoftware Minescape, dem eigentlichen Grund unserer Reise nach Brisbane. Der Kurs war sehr gut und ich habe echt eine Menge gelernt. Besonders die Tatsache, dass uns beiden Schülern zwei Lehrer zur Verfügung standen, dürfte eine Menge zum Erfolg des Kurses beigetragen haben. Jetzt muss ich die gelernten Sachen in der Praxis anwenden, wofür ich in den kommenden Wochen wohl genügend Möglichkeiten haben werde.
Frühstück, Mittagessen und Abendessen gab’s die ganze Zeit über sehr reichlich, da Rio Tinto die Kosten übernahm. So habe ich mir fast jeden Tag bereits ein Frühstück für 30 Dollar gegönnt.
Am Donnerstagabend ging‘s dann schon wieder zurück nach Singleton, um am Freitag nach einer kurzen Nacht in alter Frische wieder Sachen im Büro erledigen zu können.

Eine weitere Woche in Australien neigte sich somit dem Ende zu…

Simon

Goliath gegen David - Manchmal gibt der Klügere leider nach!

Hallo Leute,

also dass nach meinem letzten Blogeintrag so viel Zeit vergehen würde, bis ich wieder mal was schreibe, hatte ich eigentlich nicht geplant. Es liegt auch mit Sicherheit nicht daran, dass seitdem nichts passiert ist, sondern vielmehr an der Tatsache, dass ich in letzter Zeit unheimlich viel zu tun hatte. Aber alles der Reihe nach. Ich hatte ja versprochen, etwas über die Sicherheitsphilosophie bei Rio Tinto zu berichten.
Wie eigentlich alle großen, weltweit agierenden Konzerne steht auch Rio Tinto unter besonderer Beobachtung der weltweiten Öffentlichkeit im Hinblick auf Naturschutz und Arbeitssicherheit. Unfälle mit Mensch und Natur haben in der Vergangenheit des Öfteren weltweites Aufsehen erregt und zu massiven Konsequenzen für die beteiligten Firmen geführt. Beispiele hierfür sind die Tailings-Dammbrüche von Aznalcóllar (Spanien) im Jahr 1998 (Blei- /Zink- /Kupfer- Silberbergbau) und Baia Mare (Goldbergbau, Rumänien) im Frühjahr 2000 genannt, die erhebliche Umweltzerstörungen zur Folge hatten. Das von der Rio Tinto Tochter Luzenac betriebene Bergwerk Lassing (Österreich) hatte im Jahr 1998 einen unvorhersehbaren Wassereinbruch, der zehn Menschen das Laben kostete und zur Aufgabe des Bergwerks zwang. Den meisten von uns dürfte dieses Ereignis als das „Wunder von Lassing“ mit der Rettung des Bergmanns Georg Hainzl nach neun Tagen Verschüttung noch in Erinnerung sein.
Rio Tinto ist bestrebt, solche Tragödien in Zukunft unter allen Umständen zu vermeiden. Oberstes Ziel ist es, einen Bergbau zu betreiben, der gewährleistet, dass jeder Mitarbeiter nach seinem Arbeitstag genauso wohlbehalten wieder nach Hause kommt, wie er am Morgen gestartet ist. Arbeitssicherheit wird deshalb absolut groß geschrieben, vollkommen unabhängig davon, ob sich das Bergwerk in einem entwickelten Land wie Australien oder Österreich befindet oder etwa in der Mongolei oder Ghana. Es ist deshalb von diesem Gesichtspunkt her betrachtet, vollkommen egal, wo man arbeitet. Von meinen Erfahrungen aus dem Deutschen Bergbau kann ich absolut sicher sagen, dass die Sicherheitsstandards bei Rio Tinto deutlich höher sind. Dies mag unter anderem daran liegen, dass man eine vollkommen andere Sicherheitsphilosophie hat, als wir Deutschen. Während man bei uns in Deutschland Arbeitssicherheit eher als notwendiges Übel betrachtet, ist dies hier ein integraler Bestandteil des täglichen Arbeitsablaufs. Jede Tagesbesprechung beginnt mit dem Thema Arbeitssicherheit. Dabei werden aktuelle Vorfälle (Unfälle und beinahe -Unfälle) aus dem australischen Bergbau und den Rio Tinto Bergwerken besprochen und analysiert, in wieweit das bei uns passieren kann. Die meisten Fälle sind eigentlich keine wirklichen Vorfälle, sondern lediglich meldepflichtige(!) Geschehnisse ohne Konsequenzen für die Gesundheit der Mitarbeiter. Das ist zum Beispiel das Annähern an einen Bagger im 200m Umkreis, ohne vorher vom Baggerführer über Funk die Erlaubnis dafür bekommen zu haben. Zudem ist jeder dazu verpflichtet, ein so genanntes „Take Five“- Buch mit sich zu führen.
„Take Five“ steht für:
- Stop
- Think
- Identify
- Plan
- Proceed
Das ist ein kleiner Block, der ein kleines Formular enthält, das vor jeder Handlung auf dem Betriebsgelände ausgefüllt werden muss. Es ist im Grunde eine Gefahrenanalyse (risk assessment), die meine geplante Handlung erbringen kann. Im oberen Teil müssen Fragen mit einem Kreuz beantwortet werden, wie zum Beispiel „Kann ich ausrutschen oder Fallen?“, „Arbeite ich innerhalb eines zehn Meter Bereichs einer Böschung oder Böschungskante?“, „Fühle ich mich müde oder nicht fit, um zu arbeiten?“, „Arbeite ich während einer Hochrisikozeit (erster Arbeitstag/-nacht zwischen 3 und 5 Uhr)?“, „Hat sich das Wetter geändert?“. Wird eine der Fragen mit Ja beantwortet, muss man die nachfolgende Tabelle ausfüllen, die zwei Spalten enthält: „Wie kann ich verletzt werden?“ und „Maßnahmen zu deren Vermeidung“.
Egal wie man darüber denkt, muss man sagen, dass dadurch jeder vor Arbeitsbeginn dazu angehalten ist, zu überlegen, was er heute macht und welchen Gefahren er sich dadurch aussetzt. Denn schließlich passieren die meisten Unfälle dadurch, dass man sich der Gefahren nicht bewusst ist.
Dieses „Take Five“- Buch ist ein Dokument, das mindestens bis zum Ende der Schicht bereitgehalten werden muss. Regelmäßige Kontrollen gewährleisten, dass diese Regeln befolgt werden. Die bei den Kontrollen eingesammelten Dokumente werden beim Schichtwechsel bei der Tagesbesprechung der Gegenschicht im Meeting besprochen.
Wird man ohne ausgefülltes „Take Five“ erwischt, ist dies ein Kündigungsgrund. Gleiches gilt auch für das Arbeiten unter Drogeneinfluss. Prinzipiell muss jeder jeden Tag damit rechnen, einen Drogentest machen zu müssen. Sobald man sich mit seiner Karte an der Stechuhr anmeldet bestimmt der Zufallsgenerator, ob man zum Test muss oder nicht. Dies wird auf dem Display angezeigt und man hat sich sofort zum Betriebsarzt zu begeben. Die Promillegrenze für Alkohol liegt bei 0,2 Promille. Ein geeichter Alkomat am Eingang gibt jedem die Möglichkeit, seinen Alkoholspiegel vor Arbeitsbeginn zu messen. Die ausgedruckte Quittung ist übrigens ein offiziell gültiges Dokument, das auch bei einer Polizeikontrolle akzeptiert wird.
Wenn ich mir gerade den Umgang mit Alkohol anschaue, fallen mir auf Anhieb zwei Deutsche Bergwerke ein, bei denen fast die ganze Belegschaft sofort durchfallen würde, wenn man diese Regeln dort anwenden würde.
Aber im Grunde bleibt Rio Tinto nichts anderes übrig, als konsequent solche Maßnahmen umzusetzen. Und sie zeigen ja auch ihre Wirkung. Während vor 30 Jahren in meinem Betrieb pro Woche im Schnitt ein Unfall passierte, der zur Arbeitsunfähigkeit einer Person führte, ist dies heute nicht einmal mehr einer pro Jahr.
Aber das ist noch lange nicht alles. Wie schon erwähnt, beginnt die Arbeitssicherheit nicht erst am Arbeitsplatz. Fühlt man sich zum Beispiel müde, soll man zu Hause bleiben oder man wird nach Hause gefahren, da man sich und andere sonst einem erhöhten Sicherheitsrisiko aussetzt. Kostenlose Massagen oder medizinische Hilfe auf dem Betriebsgelände sind genauso eine Selbstverständlichkeit, wie ein psychologische Betreuung bei beruflichen und(!) familiären/privaten Problemen jeglicher Art.
Hinzu kommt noch intensive Sicherheitstrainings, sobald man das Bergwerksgelände betreten möchte, angefangen von allgemeinen Verhaltensregeln, bis hin zum Führerschein, der das Fahren von Autos und anderen Geräten im Bergwerk erlaubt.
Für diese „pit license“ habe ich zum Beispiel einen halben Tag mit meinem Sicherheitstrainer verbracht und bin mit Ihm nach der Theorieprüfung im Tagebau rum gefahren. Dabei wird zum Beispiel das sichere Abbremsen bei einem Bremsversagen auf eine Rampe mit 10% Gefälle simuliert. Auch lernt man, dass alle Fahrzeuge „fundamentally stable“ abgestellt werden müssen. Das heißt, dass sich das Fahrzeug nach dem Herausnehmen der Bremse und des Gangs nicht bewegen darf (das Nichteinhalten ist übrigens ein verschärfter Kündigungsgrund). Zudem bekommt man ein Training für das Verhalten im Brandfall. An einem brennenden Auto wird die Handhabung des Feuerlöschers geübt, bzw. das in Sicherheit bringen und richtige Melden solcher Vorfälle.
Ich denke, aus meinen Schilderungen wird ersichtlich, warum Firmen mit solchen Regeln keine Praktikanten nur für ein paar Wochen nehmen. Der Aufwand hierfür wäre viel zu groß.

Bevor ich das Thema Sicherheit hinter mich lasse, möchte ich noch etwas zu den Großgeräten sagen, die in unseren Tagebauen rum fahren. So schön wie die SKW auch aussehen, sie beherbergen ein großes Gefährdungspotential. Schließlich wiegt so ein Muldenkipper in beladenem Zustand locker mal 300 Tonnen und fährt mit 45 km/h durch die Gegend. Man kann sich kaum vorstellen, welche unglaubliche Kraft diese Maschinen haben und wie eingeschränkt das Sichtfeld des Fahrers ist. Deshalb gibt es die Regel, dass SKW grundsätzlich Vorfahrt haben (es sei denn es steht dort ein Verkehrsschild) und man diese nicht überholen darf. Zudem müssen immer mehr als 50m Abstand gehalten werde, da der Fahrer alles innerhalb dieses Radius nicht sehen kann. Möchte man sich einem stehenden SKW nun aber nähern (z.B. ein Servicefahrzeug), muss zuerst einmal per Funk das Einverständnis des SKW-Fahrers eingeholt werden. Danach darf das Fahrzeug bis auf 30m an den Muldenkipper heran fahren. Dort hat der Fahrer zu warten, bis der SKW-Fahrer von seinem Gerät gestiegen ist und den Boden erreicht hat. Erst dann darf man hin fahren.
Dass diese Regeln mehr als wichtig sind, zeigen die Unfälle, die immer wieder passieren, weil die Regeln missachtet werden und man meint, man könnte noch schnell über die Kreuzung fahren, usw.
Erst diese Woche gab’s einen Unfall in einem Kohletagebau in Queensland, bei dem man von Glück sprechen kann, dass der Fahrer des Autos mit mittelschweren Verletzungen davon gekommen ist. Ich habe mal das Foto des Unfalls für Euch in den Blog kopiert.

Im Vordergrund seht Ihr das demolierte Auto (mit Überrollschutz) und im Hintergrund den SKW, der mit seinem linken Hinterrad über das Auto gerollt ist und natürlich keinen Schaden erlitten hat. Der SKW-Fahrer hat das Auto (das eigentlich hätte warten sollen) gar nicht gesehen und überhaupt nichts von dem Unfall mitbekommen. Die Massen quetschen das Auto einfach zusammen, ohne dass man das im SKW selber merken würde.

Ich denke, dieses Beispiel zeigt eindrucksvoll, dass man sich immer bewusst machen muss, welche Dimensionen diese Maschinen haben und dass man da als Mensch mit Abstand das kleinste und verwundbarste Glied ist.

Mit diesen Beispielen möchte ich nun auch das Thema Sicherheit abschließen. Ich hoffe, ich konnte Euch einen kleinen Eindruck davon geben, was hier getan wird, um ein sicheres Arbeiten zu gewährleisten.

Bis bald

Simon

Samstag, 13. September 2008

Meine Kamera auf Reisen

Eigentlich wollte ich Euch dieses Wochenende einiges darüber erzählen, welchen Einfluss der Bergbau auf die australische Gesellschaft hat. Denn anders als in Deutschland spielt dieser für Australiens Wirtschaft eine große Rolle und genießt dem entsprechend auch eine ganz andere Wertschätzung. Ich hatte in der vergangenen Woche ein paar Fotos gemacht, um Euch einen Eindruck davon geben zu können.
Außerdem hatte ich mir auch vorgenommen, aus gegebenem Anlass etwas über die Sicherheitsphilosophie bei Rio Tinto zu berichten, die äußerst ernst genommen wird und mit Sicherheit alle mir bisher bekannten Standards in Deutschland bei weitem übertrifft. Trotz der in dieser Hinsicht enormen Anstrengungen der Bergbaukonzerne, sind Unfälle leider nach wie vor zu beklagen, mit teils schweren Verletzungen oder gar tödlichen Folgen. Erst vorletzte Woche kam im von HWE betriebenen Eisenerztagebau Yandi (Pilbara) ein 21-jähriger Mechaniker ums Leben, gerade mal zwei Wochen nach dem letzten tödlichen Unfall in diesem Betrieb...

Leider ist mir die Freude am Schreiben momentan erst einmal etwas vergangen, da ich gestern nach meiner Ankunft in Brisbane meine 5-Wochen alte Digitalkamera verloren habe, mitsamt den darauf gespeicherten Fotos.
So wie es aussieht, ist mir die Kamera während der Taxifahrt aus der Tasche gerutscht. Zwar habe ich den Verlust sofort nach dem Aussteigen bemerkt, allerdings konnte der Taxifahrer noch nicht ermittelt werden, da gestern aufgrund des Rugbyspiels Australien gegen Neuseeland (was die Neuseeländer übrigens gewonnen haben) im Stadium von Brisbane die Taxifirmen komplett überlastet waren.
Die Hoffnung, meine schöne Kamera wieder zu bekommen, sind also praktisch gleich null...

Morgen geht dann mein Minescape Kurs los, der mich diese Woche hauptsächlich beschäftigen wird.

Ich denke, ich werde Euch schreiben, wenn ich wieder in einer besserer Stimmung bin.

Bis dahin wünsche ich Euch alles Gute und Glückauf!

Sonntag, 7. September 2008

Sonne, Wasser, Berge ...

Nachdem ich am Freitagabend im Büro mehrere Stunden vergeblich im Internet nach einer Lösung meines Modemproblems gesucht hatte, war ich der Verzweiflung schon sehr nahe und hatte eigentlich die Hoffnung auf einen eigenen Internetzugang in Australien fast aufgegeben. Bin dann am Samstagmorgen ins Internetcafe, um dort mit meinem Laptop zu chatten und nebenbei Softwareupdates runter zu laden. Dabei kam der Hinweis, dass die neue Firefoxversion eines meiner Internettelephonieprogramme nicht mehr unterstützt. Da ich dieses eigentlich nicht mehr brauche, dachte ich mir, kann ich es gleich deinstallieren. Und siehe da, mein Modem funktionierte auf einmal. Damit wurde wieder mal gezeigt, welch ein undurchschaubares Terrain die Computerwelt ist…
Hab deshalb gestern meinen Blog endlich online gestellt und den restlichen Nachmittag damit verbracht, mit Freunden endlich mal wieder zu sprechen / chatten.
Heute Morgen bin ich dann erst mal, wie jeden Sonntag, in die Kirche gegangen. Außergewöhnlich war, dass wir sechs Taufen hatten und dem entsprechend viel in der Kirche los war. Wie es bei solchen Ereignissen auch bei uns häufig ist, waren hier Leute in der Kirche, die dieses Gebäude sonst nur von außen kennen. Dementsprechend haben sie sich dann auch benommen.
Erfreulich war, dass wider Erwarten die Sonne schien und das Thermometer auf 23°C geklettert war, sodass ich mich nach kurzer Beschäftigung mit der Straßenkarte dafür entschied, einen kleinen Ausflug Richtung Südwesten zu unternehmen. Es sollte in etwa die gleiche Richtung sein, die ich schon letzte Woche eingeschlagen hatte. Außerdem sollte die ganze Veranstaltung eine Rundreise werden, während der ich so viele Landschaftseindrücke wie möglich sammeln wollte. Leider hat mir dabei der Hunter River einen Strich durch die Rechnung gemacht – allerdings nur, was die Route anbelangt. Doch dazu später.
Zuerst gings auf dem New England Highway nach Nordwesten in Richtung Muswellbrook. Auf halber Strecke bog ich dann in Richtung Lemington ab, weil dort nach Angaben eines Touristenführers ein schöner Aussichtspunkt über das Hunter Valley sein sollte. Als ich dann dort war, stellte sich heraus, dass es sich um eine Abraumhalde der Rio Tinto Hunter Valley Operation (HVO) handelte. Die Sicht war zwar an sich nicht schlecht, allerdings ist auf jedem Bild im Vordergrund die Aufbereitung zu sehen, was für Bergleute ja ganz interessant sein mag, aber nicht Jedermanns Sache ist.









Ich wollte heute doch eher Landschaftsbilder mit unberührter Natur machen. Also bin ich wieder ins Auto gesprungen und weiter Richtung Süden gefahren. Als ich dann am Wegrand ein Hinweisschild sah, das auf eine Straßensperrung wegen Überflutung hinwies, bekam ich schon ein ungutes Gefühl. Allerdings kam übers Radio die Meldung, dass die Sperre mittags aufgehoben werden sollte – meine Uhr zeigte kurz vor zwölf. Zehn Minuten später hatte ich den Salat. Ich stand am Hunter River und der dachte überhaupt nicht daran, die Brücke freizugeben – zumindest nicht in den nächsten vier Tagen. Doch wieso kam der Nachrichtensprecher auf dann die verwegene Idee, dass gerade heute um die Mittagszeit die Brücke wieder befahrbar sein sollte? Offensichtlich dachte er an eine eher ungewöhnliche, übernatürliche Lösung. Das wurde mir dann auch klar, als ich das Brückenschild sah (siehe Foto).










Doch leider war ich weder Moses, noch hatte ich die Ägypter im Nacken. Auch konnte ich nicht mit einem (einer) (Bundes-) Lada aufwarten, sondern war lediglich mit einem Kloster – Ford angereist (siehe Foto) – eigentlich ein Auto, das dahingehend ganz gut zu mir passt :-). Letzten Endes hat das aber alles nicht geholfen und ich musste wieder kehrt machen. Damit war meine „Rund“-Reise jäh unterbrochen und ich musste den Umweg über Singleton in Kauf nehmen. Dafür habe ich die Fahrt umso mehr genossen. Ich hatte mir letzte Woche schon vorgenommen, auf einen der Berge zu steigen, um einen schönen „Oberblick“ auf das Hunter Valley zu erhaschen. Also habe ich in der Nähe von Milbrodale geparkt, meinen Rucksack geschnappt und bin dann über Stock und Stein nach oben marschiert. Na ja, ganz so flott gings auch wieder nicht. Hier wächst allerhand Gestrüpp und Kletten, die sich wunderbar in der Kleidung verhacken. Irgendwie habe ich es dann doch geschafft und bin auf einer kleineren Erhebung oben angekommen. Ich muss sagen, dass sich der Aufwand hierfür wirklich gelohnt hat. Auf einer Felsklippe, am 20m- Abgrund habe ich dann Rast gemacht. Glücklicherweise hatte ich mir heute Morgen eine schöne Brotzeit eingepackt, die ich nun bei herrlichem Sonnenschein genießen konnte.









Hab dann dort noch eine Weile gesessen und die Natur um mich herum genossen. Die Berge sind hier alle aus „Sandstein“, oder besser mittel- bis grobkörnigen Konglomeraten. Das Material sieht Beton mit Kies-Zuschlag (sorry, für Normfanatiker heißt das natürlich Kies-Gesteinskörnung) verblüffend ähnlich. Auch hält es den Umwelteinflüssen offenbar nicht allzu lange stand, wovon die vielen Höhlen in der Gegend zeugen.
Von dort oben aus konnte man eine Orangenplantage sehen, auf der man Orangen selber pflücken kann – wie bei uns Erdbeeren oder Himbeeren. Außerdem bin ich noch an einigen Bienenständen vorbeigelaufen, an denen schon wieder Hochbetrieb zu sein schien. Hier findet man jetzt schon sehr häufig blühende Blumen – die Natur erwacht langsam.











Um halb fünf habe ich mich dann wieder auf den Heimweg gemacht und bin kurze Zeit später wieder wohlbehalten in Singleton eingetroffen.
Im Folgenden habe ich ein paar schöne Bilder vom heutigen Tag und der Gegend zusammengestellt.












Mit diesen Eindrücken verabschiede ich mich für heute und wünsche Euch allen einen guten Start in die neue Arbeitswoche. Bis bald.

Simon

Samstag, 6. September 2008

Mein Job, Minescape, Internet & Co.

4.09.2008. So, die Arbeitswoche ist nun auch schon fast wieder rum, und mir kommt‘s vor, wie wenn die Woche grade erst angefangen hat. So richtig aufgefallen ist mir das bei einer eigentlich eher weniger wichtigen Arbeit, dem Mülleimerleeren. Zuerst habe ich mir schon fast Vorwürfe gemacht, dass der Eimer schon wieder voll ist, bis mir dann klar geworden ist, dass ich das das letzte Mal vor mehr als einer Woche gemacht habe.
Ein Grund dafür, dass die Zeit so schnell verfliegt könnte der große Berg an Arbeit sein, der mich jeden Tag erwart. Seit Montag habe ich praktisch jeden Tag ein kleines Projekt mit 3d-Dig bearbeitet. Ich habe dabei erst mal einfach angefangen und einen kleine Zugangsrampe geplant. Zu diesem Zweck musste 4.300fm³ (Fest-Kubikmeter) Material zuerst an einem Wegrand aufgeschüttet werden und anschließend mit einer Schubraupe in die endgültige Rampenform geschoben werden. Meine Startaufgabe war, zu bestimmen, wie viel Material hierfür benötigt wird (4.300m³ sind ca. 45 Muldenkipperladungen, also nicht gerade viel). Nun hätte man die Rampe einfach als Lagenschüttung in endgültiger Form einbringen können. Die Krux an der Sache war jedoch, dass die Rampe unter einer Stromleitung verläuft. Deshalb muss in diesem Zusammenhang extra ein risk assessment (Sicherheitsbelehrung) mit jedem Beteiligten gemacht werden und ich darf da natürlich keinen SKW (Muldenkipper) drunter abkippen lassen. Deshalb muss das Material davor angeschüttet werden und danach mit der Raupe geschoben werden. Ich musste also das Design für die vorläufige Schüttung konstruieren und sicher stellen, dass zum einen das notwendige Volumen vorhanden ist und dass das kurzfristige Blockieren eines Wegteiles keine Interaktionen mit anderen Nutzern verursacht (z.B. der Förderung). So hat man es hier zuerst einmal mit allerhand Leuten zu tun und muss die Sache in Meetings erläutern. Dann wird am Computer an Modellen gebastelt (die digitalen Geländemodelle holt man sich vom Markscheider und muss sie natürlich erstmal in 3d-Dig Triangulieren usw.), die den kritischen Augen der Kollegen unterzogen und nicht selten ausgebessert / verbessert werden. Wenn das dann geschafft ist, lege ich die wichtigen Punkte fest, die ich dann per dxf-Datei an die Markscheiderkollegen weiterleite. Gleichzeitig werden sog. Mudmaps für die Steiger ausgearbeitet. Mudmaps sind Pläne mit Arbeitsanweisungen. Sie dienen der schriftlichen Fixierung des Arbeitsauftrages und sind gleichsam eine Versicherung sowohl für den Planer, als auch für den Ausführenden, auf die man sich beziehen kann.
In diesem Zusammenhang fällt immer wieder auf, wie wichtig gute Kommunikation in einem großen Betrieb ist. Das erreicht man am Besten mit Gesprächen und Arbeitsaufträgen, die wenig Text und eindeutige Bilder / Zeichnungen enthalten. Powerpoint und Excel sind hier deshalb die wichtigsten Computerprogramme.
Mit den Mudmaps in der Hand geht’s dann zur Vorortbesprechung. Aber im Grunde ist das nur noch mal ne Bestätigung, da man sowieso im Vorfeld mit den Leuten die Lokalität befährt.
So läuft bei mir fast jeder Tag ab. Hinzu kommt, dass ich jeden Tag Seilbagger- und SKW-Leistungen der vergangenen 24 Stunden aus der Datenbank auslese und bei uns im Büro auf das Whiteboard (wie heißt‘n das eigentlich auf Deutsch?) schreibe. Um 7 Uhr ist das erste Meeting mit der Baggercrew: Schichtbesprechung, besondere Vorkommnisse, Arbeitsaufträge. Um 9.30 Uhr ist Meeting der short term – Abteilung, also der Truppe, der ich angehöre. Das Meeting dauert ca. 20 Minuten und bringt jeden auf den neuesten Stand hinsichtlich Sicherheitsvorkommnisse, Geotechnik, Aufbereitung (Ausbringen, Qualitäten), Baggerdaten (Shovel und Dagline), SKW Performance und einiges mehr. Am Anfang versteht man da fast nichts, aber mit der Zeit fällt einem auf, wie informativ diese 20 Minuten eigentlich sind. Wir wissen z.B. genau, wie weit die Produktion vom Soll entfernt ist, wie viel Kohle im Tagebau freigelegt ist, wie viel in der Rohhaufwerkshalde (ROM: run of mine) lagert und was bereits zum Abtransport fertig ist. Seit letzter Woche leite ich jeden Donnerstag dieses Meeting. Es ist wirklich eine gute Gelegenheit zu lernen, vor Leuten zu stehen, denn Übel nimmt einem hier keiner was (zumindest bis jetzt noch nicht :-)). Und irgendwie macht das auch Spaß, denn es ist schließlich ja auch eine gewisse Form der Anerkennung seiner Arbeit. Vanessa lässt mich auch immer die Seilbaggerdaten erklären, die ich zu Arbeitsbeginn ausgelesen habe. Da muss man sich wenigstens anstrengen, die Sachen zu verstehen, da man sie erklären muss. Um 10 Uhr ist dann wieder ein Meeting, in dem sich die Steiger der unterschiedlichen Produktionsabteilungen auf den aktuellen Stand bringen. Dann ist mit Meetings bis 14.00 Uhr erst mal Schluss und man kann sich seinen Aufgaben widmen. Kommt noch eine Grubenfahrt dazu, ist schnell wieder eine Stunde vergangen und man hat dann langsam Probleme, seine Arbeit rechtzeitig fertig zu bringen.
Gestern war so ein Tag, den ich gerne hinter mich gelassen habe. Ich habe sehr viel Zeit verplempert, eine SKW-Rampe zu konstruieren. Noch läuft in Sachen 3d-Dig nicht alles rund. Hinzu kam, dass der Auftrag bis heute 10 Uhr fertig sein musste, da sonst langsam der Kippenplatz ausgegangen wäre. War deshalb mal wieder mal bis 18 Uhr im Büro. Außerdem habe ich zur Zeit etwas Mandelentzündung und fühle mich insgesamt nicht so gut. Also nicht gerade die schönsten Bedingungen. Glücklicherweise konnte ich heute Morgen zügig arbeiten und termingerecht abliefern. Zusätzlich kam mir das Wetter entgegen. Es hatte die ganze Nacht geregnet, weshalb keine SKW fahren und somit auf nicht verkippt werden konnten…
Es fällt auf, dass wir in Sachen Kippenplanung einen verbesserungswürdigen Planungsstand haben, bei dem die Planung gerade einmal einige Wochen, bis wenige Tage Vorlauf hat. Es ist demnach logisch, dass sehr oft ad hoc Entscheidungen getroffen werden, die langfristig eigentlich eher ungünstig sind. Das ist mir dann auch bei meinem Rampenprojekt erst richtig aufgefallen, als ich einen Verbesserungsvorschlag bezüglich der Trassenführung machte und keiner Einwände hatte. Es gibt keinen Gesamtplan, in dem die Abraumvolumina, die Aufbereitungsrückstände massen- und ortsbezogen den Kippen und potentiellen Kippenstandorten gegenübergestellt werden. Damit habe ich jetzt eigentlich ganz gut meinen Arbeitsauftrag beschrieben, den ich als größeres Projekt in den kommenden Wochen bearbeiten werde…
Doch dazu brauche ich nun dringend Know-how in Minescape. Ich freue mich deshalb schon sehr auf übernächste Woche, in der ich mit Colby vier Tage Intensivtraining in Brisbane haben werde. Ich werde schon am 13. September hinfliegen und mich dann mit Thomas, dem Geologen aus Freiberg treffen. Er macht dort gerade bei Anglo American Praktikum und wohnt mit einem Südafrikanischen Ingenieur zusammen, den ich kennen lernen möchte. Rio Tinto ist in diesem Zusammenhang wieder mal sehr spendabel und zahlt neben dem Flug und dem Hotel auch die Übernachtung von Samstag auf Sonntag, immerhin $160 pro Nacht!
Gestern Abend habe ich dann mein Wireless Broadband Internet Modem bekommen und ausprobiert. Ein tolles Teil, ganz einfach einstecken und surfen – außer der Anwender heißt Simon Bodensteiner. Nach einer guten Stunde Rumprobieren habe ich dann den Service angerufen und erst mal in der Warteschlange „gestanden“. Ich war ja schon nicht besonders gut gelaunt, da ich ja mit meinem Handy anrief und dafür natürlich schön zahlte (so ca. 20 Dollar). Die Stimmung steigerte sich dann, als die Ansage kam, dass ich ca. 4 Minuten warten sollte. Was ist besser, auflegen, es später noch mal probieren und Gefahr laufen, dass es nicht besser ist oder die Zeit aussitzen? Ich entschied mich dann fürs warten. Nach ca. 2 Minuten – eine Minute war definitiv um – kam dann erneut eine Ansage: Die durchschnittliche Wartezeit beträgt 5 Minuten! Spinn ich oder was? Aber danach dauerte es Gott sei Dank nicht mehr lange und ich hatte einen Thailänder (oder so was Ähnliches) am anderen Ende der Leitung. Ich muss aber ehrlich sagen, dass das mit Abstand der beste Service war, den ich bisher erlebt habe. Über eine Stunde haben wir alle möglichen Einstellungen geändert (dieses Mal hat er mich angerufen – huh :-)), aber am Ende haben wir die Sache leider nicht hinbekommen. Ich habe das Modem deshalb heute einem Kollegen gegeben. Der wird es zu Hause ausprobieren und schauen, ob das Modem Schrott ist oder ob’s an meinem Computer liegt. Hoffentlich gibt’s da bald eine Lösung, denn ohne Internet auskommen zu müssen, ist echt blöd.

Vielleicht kann ich ja meinen nächsten Blogeintrag online verfassen. Hoffe, dass das morgen ist.

Bis dahin … macht‘s gut.

Simon

Koks- und Kraftwerkskohle aus dem Hunter Kohlebecken

1.09.2008. Es ist kaum zu glauben, aber mit dem ersten September hat meine dritte Woche in Australien begonnen. Wie schnell die Zeit vergeht! Da ein wöchentlicher Zimmerservice meine Wohnung putzt und freundlicherweise auch meinen Geschirrspüler ausräumt – praktisch wie daheim :-) – kann ich die dafür eingeplante Zeit meinem Blog widmen.
Bisher habe ich noch nicht viel zu meinem Bergwerk erzählt, was ich nun ändern möchte. Schließlich sollt Ihr erfahren, was ich die meiste Zeit hier mache und nicht fälschlicherweise den Eindruck gewinnen, dass ich es mir hier auf Kosten von Rio Tinto nur gut gehen lasse.
Es ist ja schon angeklungen, dass ich in der Steinkohle arbeite. Die Förderung von Energierohstoffen (Kohle und Uran) gehört neben der Eisenerz- und Aluminiumförderung zu den Hauptgeschäftsfeldern von Rio Tinto. Die Australische Steinkohleförderung ist unter dem Dach der Rio Tinto Coal Australia (RTCA) zusammengefasst, zu dem auch Coal and Allied gehört. Diese Untergruppe wurde im Jahr 2003 von Rio Tinto gekauft und fasst seitdem die Kohleförderung im Bundesstaat New South Wales (NSW) zusammen.
Generell liegen die Kohlenvorkommen Australiens überwiegend in den beiden Bundesstaaten Queensland und New South Wales.














Meine Grube, das Verbundbergwerk Mount Thorley Warkworth baut im Hunter Coalfield, an das sich nahtlos die Hunter Valley Operations (ebenfalls Coal and Allied) im Norden anschließen. Das Hunter Kohlenvorkommen ist eines von sechs großen Vorkommen in NSW. Hier sind praktisch alle großen Bergbaukonzerne tätig, sozusagen von A wie AngloAmerican bis X wie Xstrata. Auffallend ist aber auch, wie sehr sich vor allem japanische Firmen durch Joint-Ventures (JV) einen Zugriff auf ausländische Rohstoffvorkommen sichern. So besitzen Mitsubishi und Nippon Steel gut ein Drittel meines Bergwerks. Im Gegensatz dazu haben sich ja bekanntermaßen die Deutschen Firmen (Rohstoffförderer und Verbraucher gleichermaßen) von ihren ausländischen Beteiligungen vor Jahren verabschiedet – ein Zeugnis einer fehlenden / verfehlten Rohstoffpolitik Deutschlands…
Die Lagerstätte ist eine Mehrflözlagerstätte, bei der Flözpakete (zurzeit fünf mit jeweils ca. 7 Flözen) mit etwa 5° bis 10° in Richtung Westen einfallen.
Diese sind von oben nach unten:
• Blakefield (BL)
• Glen Munro (GM)
• Woodlands Hill (WH)
• Bowfield (BF)
• Warkworth (WW)
Das bedeutet, dass theoretisch die Deckgebirgsmächtigkeit nach Westen hin zunimmt. Allerdings ist dem in der Praxis nicht so, da mit dem Abtauchen der Flöze gleichzeitig neue, an der Oberfläche ausbeißende Flöze angeschnitten werden.










Durch den Kontakt mit dem Luftsauerstoff sind die oberen Bereiche dieser Flöze bereits oxidiert und damit wertlos. Ab einer Teufe von ca. 10m ist die Kohle dann förderwürdig. Konkret wird dieser Übergangsbereich im North Pit aufgeschlossen. Auf dem Bild könnt Ihr den ersten Abschnitt sehen, der vom Wombat Seam (WB) gewonnen werden wird. Dank dieser Lagerstättengunst bleibt das stripping ratio = Kohle zu Abraum-Verhältnis bei 4,75 extrem niedrig. Vergleicht man das mit dem in dieser Hinsicht schlechtesten Deutschen Braunkohlentagebau Jänschwalde mit einem Verhältnis von derzeit ca. 8:1 (bedingt durch Abbau des Hornoer Bergs), wird einem schnell klar, dass die Deutschen Lagerstätten klar benachteiligt sind. Hinzu kommt ja noch, dass es sich hier um Steinkohle handelt. Die durch den Abbau bedingten Tagebaurand-, Block-, Hangenden- und Liegendenverluste erhöhen das saleable coal ratio schließlich auf 8,24. Das bedeutet, dass insgesamt 8,24m³ Abraum bewegt werden müssen, um eine Tonne verkaufsfähige Kohle gewinnen zu können.
Anmerken möchte ich in diesem Zusammenhang noch, dass die Kohlenqualität der einzelnen Flöze sehr unterschiedlich ist. Einige Flöze beinhalten wertvolle Kokskohle, während andere Flöze nur Kraftwerkskohle beinhalten. Die wertvolle Kokskohle bringt auf dem Weltmarkt deutlich mehr Erlöse ein. So wird Kokskohle mit etwa $280/t verkauft, während man für eine Tonne Kraftwerkskohle nur ca. $100 bekommt. Da das Bergwerk Langfristlieferverträge hat, die hauptsächlich den Kraftwerksmarkt bedienen, fördert das Bergwerk sozusagen zwangsläufig Kokskohle mit. Dies führte im Monat August dazu, dass eine Extracharge Kokskohle auf dem Spotmarkt platziert werden konnte, die fast den gleichen Erlös brachte, wie die gesamte bis einschließlich Juli verkaufte Kohle!
Insgesamt fördern wir hier aus 5 Tagebauen im Jahr knapp 10 Mio. t Kohle, davon ungefähr 2,5 Mio. t Kokskohle. Für Leser, die nicht so mit dem Bergbau bewandert sind, sei darauf verwiesen, dass diese Fördermenge in etwa die Hälfte der Deutschen Steinkohlenförderung entspricht. Außerdem sind hier grob geschätzt 1.000 Leute beschäftigt, im Vergleich zu 23.000 Menschen im Deutschen Steinkohlenbergbau.
Die aus dem Tagebau kommende Kohle ist manchmal, bei sehr schonender Gewinnung, so sauber, dass sie an der Aufbereitung vorbeigeschleust werden und sofort verkauft werden kann. Besonders jetzt, wo der Weltmarkt eine sehr hohe Nachfrage bietet, wird alles getan, um so die Kapazitäten zu erhöhen, bzw. Aufbereitungsverluste zu umgehen (das Ausbringen liegt bei ca. 75%). Allerdings ist dies nur sehr begrenzt möglich. Die meiste Kohle geht durch unsere zwei Aufbereitungsanlagen (26.000t/Tag und 30.000t/Tag). Dort wird sie gewaschen und flotiert. Damit sind wir in der Lage neben der Kokskohle zwei Kraftwerkskohlenprodukte mit unterschiedlichen Aschegehalten zu produzieren. Das low ash product geht in den Export, wohingegen Kohle mit hohen Aschegehalten an die hiesigen Kraftwerke verkauft wird (Aschegehalt >20%). Durch gezieltes Mischen der unterschiedlichen Qualitäten erreichen wir somit eine optimale Ausnutzung der Lagerstätte.
Eine Besonderheit stellt die sog. BDT Coal dar, die Beneficiated Dewatered Tailings. Diese Kohle wird durch die Aufbereitung einer alten Tailingkippe gewonnen. Früher war nämlich die Aufbereitung hier nur mit einer einfachen Kohlenwäsche ausgestattet, eine Flotation fehlte. Folglich war man nicht in der Lage, die Kokskohle aus der Rohförderung zu gewinnen – wozu auch, wo sie doch zu dieser Zeit keiner gebrauchen konnte. Heute versilbert die Aufbereitung dieser Tailings die Unternehmensergebnisse. Dieser Sachverhalt verdeutlich eindrucksvoll, dass es im Bergbau extrem wichtig ist, dass man die heutigen „Abfälle“ sinnvoll versetzt, um sie in Zukunft vielleicht wieder gewinnen zu können.
Wenn nun die Kohle aus der Aufbereitung herauskommt, wird sie auf Züge mit jeweils 2 Loks und 80 Waggons verladen. So ein Zug ist dann 1,3km lang und fasst 7.600t Kohle. Ungefähr sieben dieser Züge verlassen jeden Tag das Werk und machen sich auf den Weg nach Newcastle, dem größten Kohlehafen der Welt. Dort tritt die Kohle dann ihre Reise in die asiatische Welt an, in der die meisten Verbraucher sitzen…
Ich könnte hier noch ewig weiter erzählen, aber irgendwann muss ich dann doch mal zur Hauptsache kommen, dem Gewinnungsprozess. Ich hab mir gedacht, ich splitte dieses Thema auf meine zukünftigen Beiträge auf, damit wird der Blog auch für die Laien lesbar. Ansonsten kann ich ja gleich ein Lehrbuch schreiben, was nicht der Sinn dieses Blogs ist.
Nur soviel heute noch dazu: Wir haben es mit einer Shovel & Truck and Dragline Operation zu tun. In meinem ersten Beitrag hatte ich ja schon mal ein paar Bilder von den Tagebaugeräten gezeigt. Ich habe letzten Freitag bei meiner täglichen Grubenfahrt mit meinem Supervisor ein paar schöne Bilder gemacht, die ich hier einfach kommentarlos anfügen möchte. Leider kommt die Größe der Maschinen in den Bildern nie so beeindruckend rüber, wie sie eigentlich in Wirklichkeit ist (zum Beispiel hat die Liebherr-Flotte eine Zuladung von 240t). Ich hoffe aber dennoch, einen gewissen Eindruck rüber bringen zu können.





















Nach der Sachgeschichte von heute kommt das nächste Mal wieder eine (Lach-)Geschichte – hoffe ich zumindest. Bis dahin verabschiede ich mich mit lieben Grüßen aus dem australischen Kohlebecken.