30. 08.2008. Ich hab eigentlich nicht vor, so oft zu schreiben. Aber gestern Abend haben sich interessante Sachen abgespielt. Als ich gegen 6 pm im Royal Hotel eintraf, waren dort schon mehr als 100 Leute anwesend, deren Zahl von Stunde zu Stunde zunahm. Ich hab zuerst mal die Chance wahrgenommen und über einige Billardspiele mit den Mitspielern ein Gespräch begonnen. In der Tat sind die Australier in dieser Hinsicht schon offener als die Deutschen. Man muss nicht lange warten, bis man auf ein Bier eingeladen wird. Zugegeben, der Umstand, dass ich als „Neuer“ mehrmals eingeladen wurde, hat mir einiges an Geld eingespart, denn Alkohol ist hier gar nicht so billig. Zwar ist Bier mit vier Dollar in etwa mit dem Deutschen Preisniveau vergleichbar, allerdings sind Spirituosen deutlich teuerer. 100 Dollar sind schnell weg.
Zu späterer Stunde haben wir dann von einer sehr nützlichen Einrichtung in Singleton Gebrauch gemacht. Hier fährt in kurzen Abständen ein kostenloser Kneipenbus, der einen sicher von einer Kneipe zur anderen bringt :-). Da ich noch ein Mädchen kennen gelernt habe, die den Busfahrer gut kannte, hat dieser dann auch gleich eine Ausnahme gemacht und mich bis zu meiner Haustüre gefahren. Doch zuvor ereignete sich noch eine interessante Begebenheit. Als wir auf den Bus warteten, kamen plötzlich Leute aus einer nahen gelegenen Pizzeria auf uns zu gelaufen. Ohne dass ich groß etwas sagen konnte, hatte ich plötzlich eine frische Pizza in der Hand und der Kerl wollte sie partout nicht zurück. Also habe ich sie mit auf den Heimweg genommen und zusammen mit Colby und seiner Freundin auf der Fahrt gegessen. Ist schon interessant, was man alles erlebt. Mal schaun, vielleicht treffe ich den edlen Spender mal wieder. Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob ich den wieder erkennen werde, da auch ich zu der Zeit schon einiges intus hatte…
Heute Vormittag habe ich dann mein Auto geschnappt, bin etwas in Richtung Süden gefahren und habe mal das Hunter Valley erkundet. Eigentlich eine wunderschöne Landschaft mit Ebenen und Bergen. Bei den Vineyards, den Weingütern, habe ich mich dann mal etwas ausführlicher umgeschaut. Leider hatte ich meine Kamera zu Hause gelassen und kann deshalb keine Bilder liefern, ich werde das das nächste Mal nachholen. Offenbar ist das Klima hier so mild, dass die Weingärten in der Ebene angelegt werden können und nicht an den Hängen. Es fällt auch sofort auf, dass ausschließlich Zapfenschnitt zur Anwendung kommt und man Kordonschnitt, bzw. Halb- oder gar Pendelbogenerziehung vergeblich sucht. Somit wird eine sehr geringe Augenzahl pro Stock erreicht, die an sich für eine hohe Qualität der Reben Voraussetzung ist. Allerdings wundere ich mich über die geringe Gassenhöhe mit nur einem Draht ca. 30cm über den Zapfen. Folglich müssen die Laubarbeiten ziemlich niedrig erfolgen, sodass letztendlich doch nur wenige Assimiliate für die einzelne Rebe zur Verfügung stehen. Vorteil dieser Erziehungsmethode ist seine geringe Arbeitsintensität. Wenn man dazu die Gassenbreite von ungefähr 1,8m bis 2m in Betracht zieht, deutet alles drauf hin, dass die Lese mittels Vollernter erfolgt. Somit ist man in der Lage, sehr günstige Weine in großen Mengen zu produzieren. Wenn das Klima passt, müssen diese dann nicht mal zwangsläufig von minderer Qualität sein…
Ich werde die nächsten Wochenenden auf alle Fälle noch mal in diese Richtung fahren und mal auf die Berge klettern. Von dort oben hat man mit Sicherheit eine wahnsinnig tolle Aussicht auf das Hunter Valley.
Das wars für heute – schönen Abend noch.
Simon
1 WOCHE PATAGONIEN
vor 16 Jahren
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