Samstag, 6. September 2008

Mein Job, Minescape, Internet & Co.

4.09.2008. So, die Arbeitswoche ist nun auch schon fast wieder rum, und mir kommt‘s vor, wie wenn die Woche grade erst angefangen hat. So richtig aufgefallen ist mir das bei einer eigentlich eher weniger wichtigen Arbeit, dem Mülleimerleeren. Zuerst habe ich mir schon fast Vorwürfe gemacht, dass der Eimer schon wieder voll ist, bis mir dann klar geworden ist, dass ich das das letzte Mal vor mehr als einer Woche gemacht habe.
Ein Grund dafür, dass die Zeit so schnell verfliegt könnte der große Berg an Arbeit sein, der mich jeden Tag erwart. Seit Montag habe ich praktisch jeden Tag ein kleines Projekt mit 3d-Dig bearbeitet. Ich habe dabei erst mal einfach angefangen und einen kleine Zugangsrampe geplant. Zu diesem Zweck musste 4.300fm³ (Fest-Kubikmeter) Material zuerst an einem Wegrand aufgeschüttet werden und anschließend mit einer Schubraupe in die endgültige Rampenform geschoben werden. Meine Startaufgabe war, zu bestimmen, wie viel Material hierfür benötigt wird (4.300m³ sind ca. 45 Muldenkipperladungen, also nicht gerade viel). Nun hätte man die Rampe einfach als Lagenschüttung in endgültiger Form einbringen können. Die Krux an der Sache war jedoch, dass die Rampe unter einer Stromleitung verläuft. Deshalb muss in diesem Zusammenhang extra ein risk assessment (Sicherheitsbelehrung) mit jedem Beteiligten gemacht werden und ich darf da natürlich keinen SKW (Muldenkipper) drunter abkippen lassen. Deshalb muss das Material davor angeschüttet werden und danach mit der Raupe geschoben werden. Ich musste also das Design für die vorläufige Schüttung konstruieren und sicher stellen, dass zum einen das notwendige Volumen vorhanden ist und dass das kurzfristige Blockieren eines Wegteiles keine Interaktionen mit anderen Nutzern verursacht (z.B. der Förderung). So hat man es hier zuerst einmal mit allerhand Leuten zu tun und muss die Sache in Meetings erläutern. Dann wird am Computer an Modellen gebastelt (die digitalen Geländemodelle holt man sich vom Markscheider und muss sie natürlich erstmal in 3d-Dig Triangulieren usw.), die den kritischen Augen der Kollegen unterzogen und nicht selten ausgebessert / verbessert werden. Wenn das dann geschafft ist, lege ich die wichtigen Punkte fest, die ich dann per dxf-Datei an die Markscheiderkollegen weiterleite. Gleichzeitig werden sog. Mudmaps für die Steiger ausgearbeitet. Mudmaps sind Pläne mit Arbeitsanweisungen. Sie dienen der schriftlichen Fixierung des Arbeitsauftrages und sind gleichsam eine Versicherung sowohl für den Planer, als auch für den Ausführenden, auf die man sich beziehen kann.
In diesem Zusammenhang fällt immer wieder auf, wie wichtig gute Kommunikation in einem großen Betrieb ist. Das erreicht man am Besten mit Gesprächen und Arbeitsaufträgen, die wenig Text und eindeutige Bilder / Zeichnungen enthalten. Powerpoint und Excel sind hier deshalb die wichtigsten Computerprogramme.
Mit den Mudmaps in der Hand geht’s dann zur Vorortbesprechung. Aber im Grunde ist das nur noch mal ne Bestätigung, da man sowieso im Vorfeld mit den Leuten die Lokalität befährt.
So läuft bei mir fast jeder Tag ab. Hinzu kommt, dass ich jeden Tag Seilbagger- und SKW-Leistungen der vergangenen 24 Stunden aus der Datenbank auslese und bei uns im Büro auf das Whiteboard (wie heißt‘n das eigentlich auf Deutsch?) schreibe. Um 7 Uhr ist das erste Meeting mit der Baggercrew: Schichtbesprechung, besondere Vorkommnisse, Arbeitsaufträge. Um 9.30 Uhr ist Meeting der short term – Abteilung, also der Truppe, der ich angehöre. Das Meeting dauert ca. 20 Minuten und bringt jeden auf den neuesten Stand hinsichtlich Sicherheitsvorkommnisse, Geotechnik, Aufbereitung (Ausbringen, Qualitäten), Baggerdaten (Shovel und Dagline), SKW Performance und einiges mehr. Am Anfang versteht man da fast nichts, aber mit der Zeit fällt einem auf, wie informativ diese 20 Minuten eigentlich sind. Wir wissen z.B. genau, wie weit die Produktion vom Soll entfernt ist, wie viel Kohle im Tagebau freigelegt ist, wie viel in der Rohhaufwerkshalde (ROM: run of mine) lagert und was bereits zum Abtransport fertig ist. Seit letzter Woche leite ich jeden Donnerstag dieses Meeting. Es ist wirklich eine gute Gelegenheit zu lernen, vor Leuten zu stehen, denn Übel nimmt einem hier keiner was (zumindest bis jetzt noch nicht :-)). Und irgendwie macht das auch Spaß, denn es ist schließlich ja auch eine gewisse Form der Anerkennung seiner Arbeit. Vanessa lässt mich auch immer die Seilbaggerdaten erklären, die ich zu Arbeitsbeginn ausgelesen habe. Da muss man sich wenigstens anstrengen, die Sachen zu verstehen, da man sie erklären muss. Um 10 Uhr ist dann wieder ein Meeting, in dem sich die Steiger der unterschiedlichen Produktionsabteilungen auf den aktuellen Stand bringen. Dann ist mit Meetings bis 14.00 Uhr erst mal Schluss und man kann sich seinen Aufgaben widmen. Kommt noch eine Grubenfahrt dazu, ist schnell wieder eine Stunde vergangen und man hat dann langsam Probleme, seine Arbeit rechtzeitig fertig zu bringen.
Gestern war so ein Tag, den ich gerne hinter mich gelassen habe. Ich habe sehr viel Zeit verplempert, eine SKW-Rampe zu konstruieren. Noch läuft in Sachen 3d-Dig nicht alles rund. Hinzu kam, dass der Auftrag bis heute 10 Uhr fertig sein musste, da sonst langsam der Kippenplatz ausgegangen wäre. War deshalb mal wieder mal bis 18 Uhr im Büro. Außerdem habe ich zur Zeit etwas Mandelentzündung und fühle mich insgesamt nicht so gut. Also nicht gerade die schönsten Bedingungen. Glücklicherweise konnte ich heute Morgen zügig arbeiten und termingerecht abliefern. Zusätzlich kam mir das Wetter entgegen. Es hatte die ganze Nacht geregnet, weshalb keine SKW fahren und somit auf nicht verkippt werden konnten…
Es fällt auf, dass wir in Sachen Kippenplanung einen verbesserungswürdigen Planungsstand haben, bei dem die Planung gerade einmal einige Wochen, bis wenige Tage Vorlauf hat. Es ist demnach logisch, dass sehr oft ad hoc Entscheidungen getroffen werden, die langfristig eigentlich eher ungünstig sind. Das ist mir dann auch bei meinem Rampenprojekt erst richtig aufgefallen, als ich einen Verbesserungsvorschlag bezüglich der Trassenführung machte und keiner Einwände hatte. Es gibt keinen Gesamtplan, in dem die Abraumvolumina, die Aufbereitungsrückstände massen- und ortsbezogen den Kippen und potentiellen Kippenstandorten gegenübergestellt werden. Damit habe ich jetzt eigentlich ganz gut meinen Arbeitsauftrag beschrieben, den ich als größeres Projekt in den kommenden Wochen bearbeiten werde…
Doch dazu brauche ich nun dringend Know-how in Minescape. Ich freue mich deshalb schon sehr auf übernächste Woche, in der ich mit Colby vier Tage Intensivtraining in Brisbane haben werde. Ich werde schon am 13. September hinfliegen und mich dann mit Thomas, dem Geologen aus Freiberg treffen. Er macht dort gerade bei Anglo American Praktikum und wohnt mit einem Südafrikanischen Ingenieur zusammen, den ich kennen lernen möchte. Rio Tinto ist in diesem Zusammenhang wieder mal sehr spendabel und zahlt neben dem Flug und dem Hotel auch die Übernachtung von Samstag auf Sonntag, immerhin $160 pro Nacht!
Gestern Abend habe ich dann mein Wireless Broadband Internet Modem bekommen und ausprobiert. Ein tolles Teil, ganz einfach einstecken und surfen – außer der Anwender heißt Simon Bodensteiner. Nach einer guten Stunde Rumprobieren habe ich dann den Service angerufen und erst mal in der Warteschlange „gestanden“. Ich war ja schon nicht besonders gut gelaunt, da ich ja mit meinem Handy anrief und dafür natürlich schön zahlte (so ca. 20 Dollar). Die Stimmung steigerte sich dann, als die Ansage kam, dass ich ca. 4 Minuten warten sollte. Was ist besser, auflegen, es später noch mal probieren und Gefahr laufen, dass es nicht besser ist oder die Zeit aussitzen? Ich entschied mich dann fürs warten. Nach ca. 2 Minuten – eine Minute war definitiv um – kam dann erneut eine Ansage: Die durchschnittliche Wartezeit beträgt 5 Minuten! Spinn ich oder was? Aber danach dauerte es Gott sei Dank nicht mehr lange und ich hatte einen Thailänder (oder so was Ähnliches) am anderen Ende der Leitung. Ich muss aber ehrlich sagen, dass das mit Abstand der beste Service war, den ich bisher erlebt habe. Über eine Stunde haben wir alle möglichen Einstellungen geändert (dieses Mal hat er mich angerufen – huh :-)), aber am Ende haben wir die Sache leider nicht hinbekommen. Ich habe das Modem deshalb heute einem Kollegen gegeben. Der wird es zu Hause ausprobieren und schauen, ob das Modem Schrott ist oder ob’s an meinem Computer liegt. Hoffentlich gibt’s da bald eine Lösung, denn ohne Internet auskommen zu müssen, ist echt blöd.

Vielleicht kann ich ja meinen nächsten Blogeintrag online verfassen. Hoffe, dass das morgen ist.

Bis dahin … macht‘s gut.

Simon

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