Sonntag, 7. September 2008

Sonne, Wasser, Berge ...

Nachdem ich am Freitagabend im Büro mehrere Stunden vergeblich im Internet nach einer Lösung meines Modemproblems gesucht hatte, war ich der Verzweiflung schon sehr nahe und hatte eigentlich die Hoffnung auf einen eigenen Internetzugang in Australien fast aufgegeben. Bin dann am Samstagmorgen ins Internetcafe, um dort mit meinem Laptop zu chatten und nebenbei Softwareupdates runter zu laden. Dabei kam der Hinweis, dass die neue Firefoxversion eines meiner Internettelephonieprogramme nicht mehr unterstützt. Da ich dieses eigentlich nicht mehr brauche, dachte ich mir, kann ich es gleich deinstallieren. Und siehe da, mein Modem funktionierte auf einmal. Damit wurde wieder mal gezeigt, welch ein undurchschaubares Terrain die Computerwelt ist…
Hab deshalb gestern meinen Blog endlich online gestellt und den restlichen Nachmittag damit verbracht, mit Freunden endlich mal wieder zu sprechen / chatten.
Heute Morgen bin ich dann erst mal, wie jeden Sonntag, in die Kirche gegangen. Außergewöhnlich war, dass wir sechs Taufen hatten und dem entsprechend viel in der Kirche los war. Wie es bei solchen Ereignissen auch bei uns häufig ist, waren hier Leute in der Kirche, die dieses Gebäude sonst nur von außen kennen. Dementsprechend haben sie sich dann auch benommen.
Erfreulich war, dass wider Erwarten die Sonne schien und das Thermometer auf 23°C geklettert war, sodass ich mich nach kurzer Beschäftigung mit der Straßenkarte dafür entschied, einen kleinen Ausflug Richtung Südwesten zu unternehmen. Es sollte in etwa die gleiche Richtung sein, die ich schon letzte Woche eingeschlagen hatte. Außerdem sollte die ganze Veranstaltung eine Rundreise werden, während der ich so viele Landschaftseindrücke wie möglich sammeln wollte. Leider hat mir dabei der Hunter River einen Strich durch die Rechnung gemacht – allerdings nur, was die Route anbelangt. Doch dazu später.
Zuerst gings auf dem New England Highway nach Nordwesten in Richtung Muswellbrook. Auf halber Strecke bog ich dann in Richtung Lemington ab, weil dort nach Angaben eines Touristenführers ein schöner Aussichtspunkt über das Hunter Valley sein sollte. Als ich dann dort war, stellte sich heraus, dass es sich um eine Abraumhalde der Rio Tinto Hunter Valley Operation (HVO) handelte. Die Sicht war zwar an sich nicht schlecht, allerdings ist auf jedem Bild im Vordergrund die Aufbereitung zu sehen, was für Bergleute ja ganz interessant sein mag, aber nicht Jedermanns Sache ist.









Ich wollte heute doch eher Landschaftsbilder mit unberührter Natur machen. Also bin ich wieder ins Auto gesprungen und weiter Richtung Süden gefahren. Als ich dann am Wegrand ein Hinweisschild sah, das auf eine Straßensperrung wegen Überflutung hinwies, bekam ich schon ein ungutes Gefühl. Allerdings kam übers Radio die Meldung, dass die Sperre mittags aufgehoben werden sollte – meine Uhr zeigte kurz vor zwölf. Zehn Minuten später hatte ich den Salat. Ich stand am Hunter River und der dachte überhaupt nicht daran, die Brücke freizugeben – zumindest nicht in den nächsten vier Tagen. Doch wieso kam der Nachrichtensprecher auf dann die verwegene Idee, dass gerade heute um die Mittagszeit die Brücke wieder befahrbar sein sollte? Offensichtlich dachte er an eine eher ungewöhnliche, übernatürliche Lösung. Das wurde mir dann auch klar, als ich das Brückenschild sah (siehe Foto).










Doch leider war ich weder Moses, noch hatte ich die Ägypter im Nacken. Auch konnte ich nicht mit einem (einer) (Bundes-) Lada aufwarten, sondern war lediglich mit einem Kloster – Ford angereist (siehe Foto) – eigentlich ein Auto, das dahingehend ganz gut zu mir passt :-). Letzten Endes hat das aber alles nicht geholfen und ich musste wieder kehrt machen. Damit war meine „Rund“-Reise jäh unterbrochen und ich musste den Umweg über Singleton in Kauf nehmen. Dafür habe ich die Fahrt umso mehr genossen. Ich hatte mir letzte Woche schon vorgenommen, auf einen der Berge zu steigen, um einen schönen „Oberblick“ auf das Hunter Valley zu erhaschen. Also habe ich in der Nähe von Milbrodale geparkt, meinen Rucksack geschnappt und bin dann über Stock und Stein nach oben marschiert. Na ja, ganz so flott gings auch wieder nicht. Hier wächst allerhand Gestrüpp und Kletten, die sich wunderbar in der Kleidung verhacken. Irgendwie habe ich es dann doch geschafft und bin auf einer kleineren Erhebung oben angekommen. Ich muss sagen, dass sich der Aufwand hierfür wirklich gelohnt hat. Auf einer Felsklippe, am 20m- Abgrund habe ich dann Rast gemacht. Glücklicherweise hatte ich mir heute Morgen eine schöne Brotzeit eingepackt, die ich nun bei herrlichem Sonnenschein genießen konnte.









Hab dann dort noch eine Weile gesessen und die Natur um mich herum genossen. Die Berge sind hier alle aus „Sandstein“, oder besser mittel- bis grobkörnigen Konglomeraten. Das Material sieht Beton mit Kies-Zuschlag (sorry, für Normfanatiker heißt das natürlich Kies-Gesteinskörnung) verblüffend ähnlich. Auch hält es den Umwelteinflüssen offenbar nicht allzu lange stand, wovon die vielen Höhlen in der Gegend zeugen.
Von dort oben aus konnte man eine Orangenplantage sehen, auf der man Orangen selber pflücken kann – wie bei uns Erdbeeren oder Himbeeren. Außerdem bin ich noch an einigen Bienenständen vorbeigelaufen, an denen schon wieder Hochbetrieb zu sein schien. Hier findet man jetzt schon sehr häufig blühende Blumen – die Natur erwacht langsam.











Um halb fünf habe ich mich dann wieder auf den Heimweg gemacht und bin kurze Zeit später wieder wohlbehalten in Singleton eingetroffen.
Im Folgenden habe ich ein paar schöne Bilder vom heutigen Tag und der Gegend zusammengestellt.












Mit diesen Eindrücken verabschiede ich mich für heute und wünsche Euch allen einen guten Start in die neue Arbeitswoche. Bis bald.

Simon

1 Kommentar:

heiko hat gesagt…

Awesome!!! Brotzeit, Geologie mit Simon und wie man richtig auf einem Pfosten sitzt.
Mit dem Blog kommt man im Leben wirklich weiter, nicht wie bei manch anderen wo man nur bloede Radgeschichten hoert.
Stupid cyclists!