Freitag, 3. Oktober 2008

Hoch und tief, kalt und warm,… – eine Woche voller Gegensätze und die "Autobahn"

Es ist der erste Freitag im Oktober und dieser noch junge Monat ist dieses Mal deutlich anders als in den vergangenen Jahren - halt einfach verkehrt. Es hat nun überall zu blühen begonnen und der Frühling befindet sich auf seinem Höhepunkt. Es ist absolut erstaunlich, wie schnell sich die Landschaft hier verändert. Befand sich vor zwei Wochen fast noch alles im „Winterschlaf“, weiden mittlerweile die Kühe mit vollster Zufriedenheit im kniehohen Gras. Auch kann man, wenn man etwas Glück hat, zwischen den Büschen ab und zu neugierige Känguruhälse sehen. Alles scheint in bester Ordnung zu sein, die Tierwelt genießt die paradiesischen Verhältnisse und wir...? Ja, wir rasen am Morgen zur Arbeit, kommen erst wieder nach Hause, wenn es schon dunkel geworden ist und vergessen dabei fast, dass es neben der Arbeit noch was anderes gibt.
Letzte Woche hatte ich zusammen mit einem Kollegen die gewaltige Aufgabe, innerhalb von vier Tagen ein Gewinnungs- und Verkippungsschema für eine Vertragsfirma zu entwerfen, die kommendes Jahr für uns etwas Abraum bewegen soll – insgesamt ca. 10 Mio. Festkubikmeter. Wie Ihr Euch denken könnt, war meine Aufgabe das Kippendesign und dazugehörige Verkippungszeitplan. Als Ergebnis sollte zum Beispiel folgendes ausgesagt werden: Im Monat X habt Ihr 700 Kubikmeter Abraum vom Flöz GMB (50m ü. NN) auf die Kippe Woodlands mit einer Höhe von 90m ü. NN zu transportieren. Klingt einfach, ist es aber ganz und gar nicht. Denn um sagen zu können, auf welchem Höhenniveau abgekippt wird, muss man erst mal wissen, welche Volumina in die entsprechenden Kippenniveaus passen, denn schließlich kann man eine Kippe ja leider nur von unten nach oben kippen. Nun gut, auch das sollte machbar sein. Dumm ist nur, dass man natürlich mehrere Kippen und leider auch Gruben hat und man zum einen berücksichtigen muss, dass auch wir Abraum produzieren und verkippen müssen. Zum anderen wollen die SKWs ja auch immer schön gleichmäßig ausgelastet werden. Das bedeutet, dass man sowohl Fahrdistanz, als auch Höhenunterschiede berücksichtigen muss. So wird man Material von Grubentiefsten nicht zum höchsten Punkt transportieren. Viele andere Parameter sind zusätzlich zu betrachten und lassen das Problem schnell mal unlösbar erscheinen. Nun ginge das ja noch, wäre da nicht noch das Problem des Kippenvolumendefizits. Aus verschiedenen Gründen stehen wir vor dem kleinen Problem, dass wir eine zu geringe Halden- /Kippenkapazität haben. Nur leider weiß keiner, wie hoch dieses Defizit eigentlich wirklich ist. Aber auch dieses ist ja keine feste Zahl, sondern variiert im Laufe der Zeit. So müssen auf der Abraumseite Wege unterhalten werden, entlang derer sich die Halden auftürmen. Mit der Zeit stellen diese Straßen gewaltige Einschnitte dar, die Ihrerseits gewaltige Kippvolumina blockieren. So besteht zum Beispiel die Möglichkeit, durch das Anheben einer Straße zusätzliches Volumen zu generieren. Aber natürlich wollen die SKWs auch nicht Berg- und Talfahrt machen, sondern lieber gemütlich auf einer Ebenen zur Kippstelle fahren. Auch müssen Rampen für Shovels, Trucks und Draglines mit berücksichtigt werden…
Ich denke, Ihr erkennt, dass es da keine schnelle Lösung geben kann und das Ergebnis mit Sicherheit verbesserungswürdig sein wird. Schließlich ändert man praktisch tagtäglich den Plan. Zuerst einmal habe ich die verfügbaren Volumina durch die grobe Konstruktion der endgültigen Kippen bestimmt – eine sehr aufwändige Arbeit. Aber zumindest bin ich jetzt absoluter Fachmann in Sachen 3d-Dig und bekomm praktisch täglich Fragen von Kollegen, wie man das eine oder andere mit dieser Software löst. Da dies bis Donnerstagabend gedauert hat, wusste ich auch erst um 16.30 Uhr, wie viel Kippenvolumen eigentlich zur Verfügung steht. UND DA WAR DER SCHOCK GROSS!! Es fehlen mehrere Millionen Kubikmeter Kippenkapazität. Nun kann man etwas hämisch darüber lächeln, wie blöd wir sein müssen, so was zu verpennen. Nun dafür gibt es mehrere Gründe. Sicherlich ist mangelnde Planung in der Vergangenheit ein Teilgrund dafür. Die Hauptursache liegt allerdings darin begründet, dass die Vertragsfirma mehr oder minder einen Grubenneuaufschluss vollzieht, dessen Mengen ja keine eingeplante „Kippenheimat“ haben – Stichwort: „kritischer Tagebaustand“.
Allerdings interessiert dieser Sachverhalt in dieser Situation nicht so wirklich. Vielmehr muss eine Lösung her, und zwar innerhalb von 15 Stunden, die Nacht inklusive! Und dann geht’s los. Können wir ne Straße verlegen? Lassen wir die Contractors wo anders kippen? Wenn die dumme Dragline Rampe nicht wäre, könnten wir…? Es wir umgeplant, und so weiter. Spätestens zu diesem Zeitpunkt wird klar, dass die gesamte Planung der vergangenen vier Tage bis auf das Ergebnis, dass der Platz nicht reicht, komplett umsonst war. Aber diese Aussage hätte man sonst nicht anders bekommen können. Interessant ist, dass Entscheidungen immer schneller gefällt werden, je weiter der Abend fortgeschritten ist. Schließlich haben wir Prioritäten festgelegt, wo was hintransportiert werden soll. Die „Lösung“ geht von vorläufigen Annahmen aus, wird bereits 2009 den halben für 2010 geplanten Kippenraum in Anspruch nehmen und hofft darauf, dass ICH in den kommenden Tagen noch Kippraum finden werde. Zudem habe ich bereits eingeplant, dass wir einige Halden in Teilbereichen 50m über die genehmigte Endhöhe kippen werden. Wir gehen davon aus, dass dies genehmigt wird und zwar spätestens im ersten Quartal 2009!
In Zukunft sollen solche Situationen vermieden werden und deshalb ein Verkippungsschema entwickelt werden, dass über die einzelnen Strips reproduzierbar ist – das eigentliche Thema meiner Arbeit…
Es ist eigentlich schon absolut cool, wie man mit den einzelnen Parametern spielen kann und darf. Auf der anderen Seite ist das für einen Studenten auch verdammt hart, wenn einem gesagt wird, dass man im Grunde alle Möglichkeiten offen hat und somit keinerlei einschränkende Faktoren, sowohl technischer, als auch organisatorischer Art vorliegen. Jedenfalls fordert diese Aufgabe von mir im Moment totalen Einsatz, sodass ich absolut am Limit arbeite. Zusätzliche Aufgaben wie das Konstruieren von Rampen für meine sehr hilfsbereite, aber auch meist extremst beschäftigten Betreuerin Vanessa stehlen mir bisweilen ganze Arbeitstage. Gestern habe ich zum Beispiel fast den ganzen Tag für Sie eine Dragline Rampe konstruiert. So viel habe ich noch nie an einem Tag in Minescape gelernt, allerdings habe ich das auch mit sehr vielen kostbaren Stunden bezahlt. Jedoch hatte ich im Endeffekt um 19.30 Uhr mein erstes großes Minescape Projekt fertig, Vanessa konnte auch mit mir das Büro verlassen und heute Morgen gab’s nach den Meetings ein äußerst positives Feedback von mehreren Abteilungen.
Ach so, fast habe ich’s vergessen. Ihr habt Euch mit Sicherheit gefragt, warum ich „Autobahn“ in meinem Titel stehen habe. Das liegt daran, dass ich mir ein Denkmal gesetzt habe, genauer gesagt, haben mir dies meine Kollegen gesetzt. Ich hatte eine größere Straße geplant, die eine bestehende in Zukunft (ca. ab Februar) ablösen wird. Da jede Straße einen Namen haben muss, wurde sie, bedingt durch die Herkunft ihres Deutschen Planers, „Autobahn“ getauft. Das hat mich natürlich schon gefreut, schließlich ist es in gewissem Sinne eine Würdigung meiner Arbeit.

Fazit: Hochs und Tiefs waren in dieser Woche ganz nahe beieinander. Ich mache fast jeden Tag wertvolle Erfahrungen nicht nur in technischer Hinsicht, sondern auch bezüglich meiner Persönlichkeitsentwicklung.
In diesem Zusammenhang möchte ich ganz besonders meinem besten Freund Heiko danken, der mir stets sehr mit Rat und Tat zur Seite steht, immer die richtigen Worte findet und somit einen unschätzbaren Wert für mich darstellt.

Damit und mit dem Hinweis auf die Umstellung auf die Sommerzeit am kommenden Sonntag möchte ich mich für heute von Euch verabschieden.

Macht’s gut, liebe Grüße und Glückauf nach Deutschland

Simon

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