Samstag, 25. Oktober 2008

Strom, Schlangen, Kohlebrände und warum Lasagne gefährlicher ist als Sprengstoff

Wir haben wieder mal Wochenende, also gibt’s einen neuen Eintrag von mir. Heute schreibe ich über mehrere Sachen, die in der letzten Zeit passiert sind / mir aufgefallen sind.
Als ich vor kurzem wieder mal meinen untrainierten Körper durch Singleton schob, hatte ich einige Zeit um mir die Landschaft anzuschauen. Allerdings gestaltet sich das manchmal als etwas schwierig, da diverse Masten den Blick in die Landschaft beeinträchtigen. Anders als bei uns in Deutschland hat man hier nämlich keine Lust, die Strippen unter die Erde zu verdammen. Na ja, hat auch was Gutes, denn ansonsten wär mir gar nicht aufgefallen, dass die Leute innerorts zwei verschiedene Stromnetze haben. Nachfolgende Erläuterungen werden (elektro)technikaversen Personen nicht sonderlich zu sagen. Ihnen wird empfohlen, ab dem folgenden Absatz weiter lesen. Zurück zu den Strommasten. Die bestehen nämlich aus zwei Etagen. Auf der oberen Etage befinden sich drei Drähte, während drunter vier Drähte angebracht sind. Es war mir nicht gleich von Anfang an klar, ob es sich dabei nicht vielleicht um ein Gleichstromnetz handelt (man weis ja nicht, was die Leute hier so anstellen). Spätestens als ich metallische Abstandshalter gesehen habe, an die alle vier Drähte befestigt waren, war klar, dass es eine Wechselstromnetz sein muss und zwar – ihr erahnt es sicherlich bereits – in Sternschaltung. Doch nun wissen wir alle, dass Überlandleitungen ja keinen Nulleiter haben, da sie im Dreieck geschaltet sind. Während wir in Deutschland alle paar Kilometer ein Trafohäuschen haben, lösen das die Ozzis anders. Sie führen einfach das Überlandnetz durch die Ortschaften (die oberen drei Drähte auf dem Masten) und hängen je nach Bedarf einen Trafo an die Stromleitung, dessen Ausgang in Stern geschalten ist. Irgendwie schon komisch, wenn man die Dinger an den Masten hängen sieht und ich frage mich, ob die Erdung da jedes Mal einwandfrei funktioniert, aber na ja. Auf alle Fälle ist dieses System sehr flexibel, denn wenn jemand ein Haus baut und die Trafokapazität nicht mehr ausreicht, setzt man einen zweiten daneben. Die Deutsche Version erscheint aber doch etwas professioneller und wir denken halt in Sachen Kapazität immer etwas weiter in die Zukunft. Welche Spannung das Überlandnetz hat, konnte ich bisher noch nicht in Erfahrung bringen. Jeden, den ich bisher danach fragte, schaute mich irgendwie blöd und achselzuckend an… haha.

Nächstes Thema: Im Gegensatz zur Deutschen Natur hat die australische Natur noch durchaus einen mitunter furchteinflößenden, wilden Charakter. Zumindest tummeln sich hier allerhand Viecher rum, die man nicht wirklich gerne näher kennen lernen möchte. Für mich als Deutschen klang es erst etwas befremdlich, als mir alle gesagt haben, ich solle ja mein „Mückengitter“ in meiner Schiebetür zur Terrasse immer schön zu machen, auch wenn ich nur kurz raus oder rein gehe. Denn allzu schnell hat man dann Kriechtiere im Haus. Die Rede ist von Schlangen. SSSzzzZZZssSSSssssZZzzzZZzssSSS!
Jetzt wo wieder die warme Jahreszeit ansteht, sind auch wieder Schlangen unterwegs. Besonders im Bergwerk sonnen sie sich gerne auf den dunklen Halden. Deshalb wird immer wieder darauf hingewiesen, dass man aufpassen und immer festes Schuhwerk tragen soll.
Als ich dann vor zwei Wochen mal alleine im Pit unterwegs war, hatte ich dann auch meine erste Bekanntschaft mit den kriechenden Kollegen. Doch glücklicherweise verstand mein Gegenüber die weltweit verstandenen und universell einsetzbaren bayerischen Redewendungen zur gezielten Verabschiedung von Personen – und offensichtlich auch Tieren. Jedenfalls konnte sie mir keine wirklichen Argumente entgegensetzen und bevorzugte die Variante, schleunigst abzuzischen, was sie dann auch ganz eindrucksvoll zeigte. Na ja, ganz so gut gings mir dabei ehrlich gesagt nicht. Deshalb habe ich auch vergessen zu fragen, wie sie heißt. Mir fällt die Unterscheidungen dieser Viecher genauso leicht, wie die der Vögel. Ich bevorzuge deshalb die allgemeine Bezeichnungsweise: Schlangen. Ich werde mich in Zukunft an sie gewöhnen müssen, denn sie zählen hier zu den geschützten Tieren und es ist verboten, Schlangen zu fangen oder zu töten. Deshalb hatten wir letztes Jahr unter der Treppe unseres Büros den ganzen Sommer über eine so genannte Eastern Brown Snake (siehe Bild). Wenn Sie Dich zum Fressen gerne hat, lässt sie Dir gerade mal 30 Minuten Zeit, darüber nachzudenken, was Du im Leben falsch gemacht hast. Also wenn die Schlange Eva damals gedroht hat, sie zu beißen, falls sie den Apfel nicht isst, hätte ich ihn an ihrer Stelle wahrscheinlich auch gegessen…

Der Wessi Heiko hat mir letztens eine Email mit ein paar interessanten Bildern in den Osten geschickt, die ich euch nicht vorenthalten möchte. Es geht nämlich um den Rohstoff, den wir hier abbauen, die Steinkohle. Manchmal kann es passieren, dass Steinkohle in Brand gesetzt wird, entweder durch Brandstiftung, bzw. durch menschlichen Einfluss oder durch Oxidationsvorgänge wenn ein Kohleflöz an die Eroberfläche ausbeißt. Egal, wer daran Schuld hat, sobald die „Erde brennt“ hat man ein gewaltiges Problem. Denn solche Brände lassen sich eigentlich kaum bekämpfen und brennen ewig lange. Beispiele hierfür gibt es praktisch in jedem Land, in dem Steinkohle vorkommt. Übrigens auch in Deutschland brannte mal ein Flöz mehr als 200 Jahre. Ein noch eindrucksvolleres Beispiel gibt es hier gleich um die Ecke: die Burning Mountains. Von den ersten Siedlern als Vulkan identifizierter rauchender Berg entpuppte sich als brennendes Kohleflöz. Aufgrund des messbaren Brandfortschritts pro Jahr wird geschätzt, dass der Brand seit ungefähr 5.500 Jahren ununterbrochen anhält!! Ich werde mir die Gegend in der nächsten Zeit mal genauer anschauen.
Zur Information: Schätzungsweise verbrennen pro Jahr alleine in China ca. 100 Mio. Tonnen Steinkohle. Das entspricht dem 5-Fachen der Deutschen Förderung. Selbstverständlich erfolgt diese Verbrennung unter den denkbar ungünstigsten Bedingungen mit entsprechend hohen Emissionen. Hinsichtlich des Treibhausgasausstoßes ist das ein echter Faktor, der nicht zu vernachlässigen ist. Es wird deshalb mittlerweile sehr viel unternommen, um solche Brände einzudämmen. Sogar die TU Bergakademie Freiberg ist in Forschungen zu diesem Thema involviert.
Nichtsdestoweniger ist das Löschen ein schwieriges Unterfangen. Wie so etwas in einem laufenden Betrieb in Queensland mal ausgesehen hat, seht Ihr auf den folgenden Fotos. Man bedenke, dass man den Brand sofort bemerkte und Bekämpfungsmaßnahmen einleitete, um das angrenzende Gebäude zu schützen.

Zum Schluss möchte ich noch auf Gefahren im Haushalt hinweisen. Letzten Sonntag hatte ich mir gedacht, ich mache mal Lasagne. Natürlich gabs die schon fertig vorbereitet im Supermarkt, sodass ich sie trotz meiner Faulheit ziemlich schnell genießen konnte. Dafür dass sie von der Marke McCain war, war sie erstaunlich gut. Ich glaub ich werde doch noch Republikaner…
Da das Stück etwas groß war, hatte ich mir was für den Montag aufgehoben. Als ich dann am Abend Heim kam, hab ich sie schnell in die Mikrowelle geschoben und … mein blaues Wunder erlebt. Irgendwie war sie vielleicht zu stark eingestellt, auf alle Fälle knallte es und die schöne Lasagne befand sich als Auskleidung am Mikrowellengehäuse. Na ja, es blieb schon noch etwas auf dem Teller, aber meine Mikrowelle sieht seitdem nicht mehr wirklich feierlich aus. So wie es aussieht, hat meine Putzfrau noch nicht gemerkt, dass sie auch mal einen Blick in die Mikrowelle werfen sollte. Ich hab mir schon gedacht, ich kauf Ihr ein kleines Dankeschöngeschenk und leg es da rein, mit nem Hinweiszettel davor… Ich gebe zu, das ist ein böser Witz und ich werde das natürlich nicht machen. Vielmehr bin ich diesem Engel sehr dankbar und letztens habe ich Ihr mal ne Freude gemacht und alles schön aufgeräumt, sodass sie nichts mehr machen musste.

So das solls mal wieder gewesen sein. Wir sehen uns dann in knapp zwei Monaten.

Bis bald!

Simon

2 Kommentare:

heiko hat gesagt…

Dafuer das sie von der Marke McCain war... very smart, El!

Ruhrpottfotograf hat gesagt…

Interessante BIlder von dem Brand!

Grüße
Joel