Montag, 10. November 2008

Berge versetzen leicht gemacht!

Höchste Zeit, dass ich mal wieder ein Lebenszeichen von mir abgebe. Letzte Woche hatte ich zugegebenerweise keine so rechte Lust, meinen Blog auf den neuesten Stand zu bringen. Ein Grund dafür war der etwas schleppend verlaufende Theorieunterricht für mein SKW Training. Zwar waren die Präsentationen und Vorträge durchaus interessant und wichtig, man hätte das aber auch schneller über die Bühne bringen können, wenn die Koordination etwas besser geklappt hätte. Nach sechs Tagen Theorie hatten wir Trainees einiges an Wissen über SKW’s und deren Eigenarten / Handhabung gelernt. Als Fahrer soll man das Ding ja nicht nur lenken und rangieren können, sondern auch in der Lage sein, Fehler und Schäden zu erkennen und im Notfall auch Notfallmaßnahmen einleiten zu können (dazu weiter unten noch Genaueres). Also sind wir mit einem Mechaniker zur Tankstelle und haben dort die ankommenden SKWs untersucht. Ein Muldenkipper kommt alle 24 Stunden zum Tanken und abschmieren. Danach muss der Fahrer eine visuelle Kontrolle der vitalen Fahrzeugkomponenten (Lenkung, Servolenkung – Akkumulatoren, Felgen, Reifen, Stoßdämpfer, und so weiter, Leckagen) vornehmen und den Ölstand, Hydraulik- und Kühlflüssigkeitsstand kontrollieren. Dabei darf man unter die Maschine drunter laufen und jedes Mal wieder staunen, dass man fast überall stehen kann. Das Betreten des Bereiches der vom Muldenkipper überschattet wird, ist nur gestattet, wenn der SKW vorher isoliert wurde, das heißt, der Hauptschalter ausgeschaltet wurde und dieser mit dem persönlichen Schloss des Fahrers und der sonst noch mitarbeitenden Personen verriegelt ist. Damit wird gewährleistet, dass niemals jemand aus Versehen losfährt und nicht bemerkt, dass unten noch jemand arbeitet. Dieses sog. Isolation System ist übrigens Rio Tinto Standard und deshalb an allen Standorten weltweit gleich. Also wissen auch Claudia und Heiko, wie die Sache hier abläuft.
Neben dieser full inspection gibt es noch die walk around inspection, die immer zu machen ist, bevor man den Truck besteigt. Also schnell mal rum gelaufen, Reifen kontrolliert und ganz wichtig, sicherstellen, dass das Feuerlöschsystem aktiv ist.
Ein anderer Teil unseres Trainings ist das Verhalten im Notfall. Wie melde ich einen Notfall, was mache ich, wenn der Motor streikt, ich mit voller Ladung gerade auf der Rampe stehe und mich die Schwerkraft von 400t nach unten zieht? Was tun, wenn’s brennt?
Gut fand ich in diesem Zusammenhang die kurze Wiederholung zum Thema Feuerlöscher. Frage: Wer von den Lesern dieses Blogs hat schon mal nen Feuerlöscher benutzt und wenn ja, wie lange ist das schon her? Für mich jedenfalls war’s ne gute Gelegenheit ein Gefühl dafür zu bekommen, wie groß ein Feuer höchstens sein darf, damit man es mit nem Pulverfeuerlöscher noch löschen kann. Zu diesem Zweck durfte jeder von uns ein Benzinfeuer löschen, sodass danach 12 Feuerlöscher leer waren.
Ich könnte hier noch ne Weile weiter schreiben, aber wahrscheinlich interessiert das keinen so wirklich. Letzten Dienstag ging es dann endlich ans Steuer. Ich war ja schon etliche Male mitgefahren und hatte so ein ungefähres Gefühl für die Dimensionen bekommen. Ich muss sagen, dass sich so ein SKW eigentlich nicht wirklich von einem Auto unterscheidet. Nun gut, er ist etwas größer und hat drei Bremsen (übrigens wird im Betrieb bei einem mechanischen CAT per Hand gebremst, elektrisch betriebene Trucks von Komatsu oder Liebherr funktionieren ganz anders), aber fahren tut er sich eigentlich nicht viel anders.

Links: CATs, Komatsus und Liebherrs friedlich vereint! Rechts: Passt in den Jeep eigentlich jemand rein?

Natürlich lief nicht alles gleich reibungslos. Vor allem das Rangieren mit Spiegel war ne Gewöhnungssache für mich und die Radladerfahrer mussten ab und an mal etwas korrigieren. Für die ist das kein großes Problem, weshalb man zuerst bei den Radladern anfängt. Bei den Hydraulikbaggern muss es dann schon sitzen, da diese sich nicht bewegen können. Nach drei Tagen Übung haut’s schon ganz gut hin, sodass ich hoffentlich meinen Lehrer nach den kommenden Nachtschichten am Mittwoch und Donnerstag los bin. Da ich auf meinem schönen CAT 789C eine „L“- Tafel angebracht habe, weiß auch jeder, dass ich noch ein Learner, also Anfänger bin und er deshalb Gnade vor Recht ergehen lassen sollte. Trotzdem wird man über Funk dann doch gerne mal aufs Korn genommen.
Hier mal ein paar, wie ich finde, beeindruckende Zahlen:
Ladeleistung: 190t – 230t
Tagesleistung: 4.500t – 6500t (Distanzabhängig)
Motor: V16 MTU Schiffsmotor, 2400 PS (Friedrichshafen!!)
Verbrauch : ca. 2.500 Liter pro Tag
Verbrauch im Anstieg: 360 Liter pro Stunde
Reifenkosten: > $ 40.000 pro Stück
Gesamtpreis: 4,5 Mio. Dollar


Mein Vordermann (baugleicher CAT 789C) beim Beladen mit einem Tourneau Radlader

Da man durch das Fahren irgendwann Verspannungen bekommt, hat mich letztens mein Trainer kurz abgelöst und ich konnte für ne Zeit lang bei den Radladern und Baggern mit fahren. Dort konnte ich gleich mal sehen, wie blöd das für die ist, wenn man den SKW nicht richtig rangieren kann. Glücklicherweise war für einige Zeit kein SKW da, sodass wir warten mussten. So durfte ich mich auch mal ans Steuer setzen und bisschen Bagger fahren. Genauer gesagt einen Komatsu 3600 Tieflöffelbagger. Wer das schon mal gemacht hat, weiß wie schwer es ist eine homogene Bewegung hin zu bekommen. Hat aber eigentlich ganz gut geklappt, sodass ich meinen Truck gleich mal selber beladen durfte, fünf Schaufeln à 40 Tonnen. Macht schon Spaß, das Spielzeug…

Letzten Samstag gabs dann auch gleich einen Notfall. Ein Liebherr SKW war in Feuer aufgegangen. Für mich war das eine neue Situation und ich habe gelernt, wie wichtig professionelles Verhalten im Notfall ist. Da während des Notfalleinsatzes kein Funkverkehr erlaubt ist, muss jeder seinen Truck parken und warten. Ich hatte deshalb die Möglichkeit, eineinhalb Stunden zuzuhören. Der Brand war offensichtlich durch austretendes Hydrauliköl verursacht worden und nicht wie zuerst angenommen durch überhitzte Reifen zustande gekommen. Das Feuer hatte die ca. 1.500 Liter Hydrauliköl derart erhitzt, sodass es sofort Feuer fing, als es mit Luftsauerstoff in Verbindung kam. Deshalb hat noch die gesamte Nachtschicht bis zum Morgen gelöscht und glücklicherweise den Brand eindämmen können, sodass der SKW nicht gänzlich verloren ist und wieder repariert werden kann.
Ich muss sagen, ich war absolut erstaunt, wie gut die Grubenwehr funktioniert hat und wie perfekt das Zusammenspiel der Leute war. Zwei Minuten Verzögerung und der SKW wäre verloren gewesen. Keine Hektik, gar nichts. Nur ganz normales Katastrophenmanagement - wow.

Ich habe festgestellt, dass ich eigentlich keine schönen Fotos habe und werde das in den kommenden Tagen mal nachholen.

Bis dahin müsst ihr mit diesen Vorlieb nehmen.

Macht’s gut!

Simon

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