Donnerstag, 27. November 2008

Das wars – leider!

Die Zeit vergeht echt zu schnell, zumindest wenn’s um die schönen Dinge im Leben geht. Irgendwie kommt es mir vor, als hätte ich gestern erst mit dem SKW-fahren angefangen, aber es ist nun schon einen Monat her und damit meine Zeit als aktiver „Truckie“ abgelaufen. Heute war meine letzte (Tag-) Schicht, die um 18.30 Uhr auf dem Truck-Parkplatz der „Coal and Partings“ – Crew endete. Die vergangenen vier Wochen war ich in dieser Crew, die sich, wie ihre Bezeichnung schon erahnen lässt, mit dem Laden und Fördern der Kohle und den Zwischenmitteln (taubes Gestein zwischen den Flözen) beschäftigt. Ich muss sagen, dass es immer wieder ein schönes Erlebnis ist, wenn man eine längere Zeit mit einem gut eingespielten Team zusammenarbeiten darf. Ich glaube, ich hab hier echt die beste Crew des Bergwerks erwischt. Die Leute waren extrem hilfsbereit und haben meine „Anfängeraktionen“ am Anfang sehr geduldig ertragen, sodass ich eigentlich sehr schnell in meine Aufgabe rein gewachsen bin. Auch die Mittagspausen und das gemeinsame Grillen jeden Sonntag werden mir in guter Erinnerung bleiben…

links und mitte: Beladen in SKW-Stellung 90° zum Bagger rechts: SKW-Stellung 45° zum Bagger
alle: Annäherung an den Bagger immer im Uhrzeigersinn, Flözmächtigkeit: 4m - 6m!, Gewinnung: Doublebenching

Auch nach einem Monat macht das Truckspielen noch genauso viel Spaß wie am ersten Tag. Ist halt einfach Sandkastenspielen für Große. Dabei finde ich es immer am lustigsten, wenn Frauen mitspielen. Es sieht irgendwie noch beeindruckender aus, wenn ein zierliches Mädchen so ein Monster fährt. Dass da mache Männer Probleme bekommen, weil sie nicht mehr wissen, mit was sie angeben sollen, leuchtet irgendwie ein :-).
Hab heute noch schnell die Chance genutzt und bei schönem Wetter (endlich wieder warm und sonnig) ein paar Bilder von mir schießen lassen. Doch leider hatte Mel nicht das richtige Händchen für meinen Fotoapparat, sodass irgendwie entweder das Objekt nicht ganz drauf ist oder ich blöd ausschau – nun gut, für letzteres kann sie nichts. Hab mich trotzdem durchgerungen, Euch ein paar Bilder zur Verfügung zu stellen.


beide: walkaround inspection after having swoped out Mel on 713...
Hier also mein letzter Truck, den ich gefahren habe. Es war immer ein CAT 789C, jedoch wechselt man bedingt durch den sog „hot seat changeover“ während der Schicht einmal den Truck. Das Bergwerk kann es sich nicht leisten, dass die Trucks auf dem Parkplatz stehen, während wir ne Stunde Mittagspause (in der Nachtschicht ne halbe Stunde um 12.00 und 4.00 Uhr) genießen. Jemand anderes übernimmt den Truck und man selbst springt dann nach der Pause auf den nächsten hereinkommenden SKW auf. So sind die Trucks eigentlich 7 Tage die Woche für 24 Stunden im Dauerbetrieb. Allerdings gibt’s, abgesehen von Reparatur und Wartungsintervallen noch ein Ereignis, bei dem die Arbeit ruhen muss: bei schlechten Witterungsbedingungen, respektive Regen und Gewitter (Blitzgefahr). Durch das Wasser auf den Wegen wird ein Manövrieren unmöglich und man rutscht ohne Kontrolle rum. Außerdem kann ein Blitzschlag neben seinen direkten Auswirkungen auf den Fahrer zur Aufheizung der Reifen führen, sodass diese explodieren können. Es ist schon mehr als einmal passiert, dass Reifen noch nach mehr als 12 Stunden und länger plötzlich explodiert sind. Dabei ist die freigesetzte Energie nicht zu unterschätzen, die eine erwachsene Person ohne weiteres 2.500m in den Himmel katapultieren kann.
Dummerweise war eine meiner Nachtschichten von Regenwetter betroffen und ich hatte die ganze Schicht nicht wirklich was zu tun (wie alle anderen). Die Subunternehmer werden dann nach Hause geschickt, während die Stammbelegschaft (zu der ich ja gehöre) vor Ort bleiben muss. Ich hab dann die Zeit „genutzt“ und es mir beim Dispatcher gemütlich gemacht. Der Dispatcher ist praktisch das organisatorische Herzstück der Grube. Von dort werden sämtliche Vorgänge in der Grube in Echtzeit überwacht und die Computer in den Trucks angesteuert. So wird hier entschieden, zu welchem Bagger oder Radlader, bzw. Seilbagger sie Dich als Truckie hinschicken oder ob Du zur Tankstelle sollst. Außerdem kümmert sich der Dispatcher um die meisten organisatorischen Sachen, die direkt mit dem Betriebsablauf in Zusammenhang stehen (nicht jedoch um entscheidungsabhängige Sachen, die von den einzelnen Supervisoren entschieden werden). Der Job als Dispatcher sieht immer sehr einfach aus, ist er aber ganz und gar nicht. Manchmal läuft ne halbe Stunde alles reibungslos und dann kommen plötzlich reihenweise Probleme, die zu lösen sind. Für diesen Job ist es ideal, wenn man eine Nebenbeschäftigung hat, die einen über die Zeit „problemlose Zeit“ hinweg rettet. Glenn, der Dispatcher unserer Schicht hat sich hierfür eine super Sache zugelegt. Er ist künstlerisch sehr begabt und zeichnet Karikaturen nach Auftrag. So macht er alle Zeichnungen, die der Betrieb für Sicherheitstrainings benötigt und verpackt dabei wichtige Botschaften in schöne Karikaturen. Aber auch Privatpersonen malt er gerne mal was, entwirft Weihnachtskalender und Postkarten. Als ich in der besagten Schicht bei ihm im Leitstand saß, hat er gerade eine Weihnachtskarte für den Kohleverladehafen in Newcastle gemalt. Ich hab mal für Euch ein Foto davon gemacht.

Glenns Hobby - Karikaturen
Schaut doch echt nicht schlecht aus, oder? Für diese Karte benötigt er eine Schicht, dann ist sie komplett fertig. Für einfache, einfarbige Bleistiftzeichnungen braucht er aber nur 5 Minuten. Das schwierigste ist, sagt er, ein geeignetes Motiv zu finden, sprich nen guten Einfall zu haben.

Mit etwas Wehmut habe ich also heute meinen Heimweg angetreten. Dennoch bin ich froh, dass ich einen Monat mit den Jungs verbringen konnte, dass während dieser Zeit nichts passiert ist und ich mein Gerät immer wieder in dem Zustand übergeben konnte, in dem ich es bekommen hatte.

End of shift: "713, come to the hardstand, please!"

Ab nächsten Montag bin ich wieder im Büro und kann wieder Vanessa und Co. nerven. Dave wird dann schon im Urlaub und für drei Wochen nicht mehr im Büro sein. Da ich auch nur noch so lange hier bin, werden wir morgen schon unsere Weihnachtsfeier haben. Mal sehen, wie das wird...

Glückauf!

Simon

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