Freitag, 5. September 2008

Die ersten Eindrücke

So, nun ist die erste Woche meines Praktikums bereits um und ich habe, wie schon zu befürchten war, natürlich noch nichts in meinem Blog veröffentlicht. Es wird höchste Zeit, dass sich das ändert, weswegen ich mir mal kurz die Zeit genommen habe, Euch von dem Erlebten zu berichten.
Am 14. August bin ich als letzter von drei Freiberger Bergbaustudenten ebenfalls temporär auf den kleinsten Kontinent unserer Erde ausgewandert - noch dazu zur gleichen Firma. Bis Weihnachten werde ich bei Rio Tinto Coal Australia mein Bestes geben, um in Sachen Bergbau zu lernen und gleichzeitig meine desolaten Englisch-„Kenntnisse“ etwas zu verbessern. Ich hoffe, dass ich beides hier verwirklichen kann.
Die Anreise erfolgte mit British Airways von München über London / Heathrow, Bangkok nach Sydney. Von dort aus ging es dann weiter mit nem kleinen Propellerflieger nach Newcastle, das etwa 150km nördlich von Sydney liegt. Eigentlich hätte sich Rio diesen Flug sparen können, da man die Strecke mit dem Auto wahrscheinlich genau so schnell oder sogar noch schneller hätte zurücklegen können, wenn man die Wartezeiten für den Flug mit einrechnet. Dafür konnte man allerdings Australiens größten Kohleexporthafen von oben sehen und eine Landung mit erleben, bei der man angesichts des extremen Seitenwindes bis kurz vor der Landung hätte meinen können, dass man mindestens 30m neben der Landebahn aufsetzen wird...
In Newcastle angekommen durfte ich dann meinen reservierten Leihwagen in Empfang nehmen, mit dem ich dann meine ersten Erfahrungen mit dem Linksverkehr machen konnte. Offen gestanden hatte ich mir die Sache etwas komplizierter vorgestellt, da ich die Situation schon von der Südafrikaexkursion und meinem Kurzaufenthalt in London kannte und dort eigentlich überhaupt nicht damit klar kam. Es ist allerdings etwas komplett anderes, wenn man selber fährt und dann eigentlich ziemlich einfach. Lediglich auf dem Supermarktparkplatz ist es mir mal passiert, dass der Gegenverkehr plötzlich vor mir stand :-). Zurück zur Anreise. Von Newcastle bin ich dann Samstagnachmittag nach Singleton gefahren. Singleton ist eine kleine Stadt mit ca. 20.000 Einwohnern (glaube ich zumindest, gehört zu haben) und sozusagen das Zentrum des Hunter Valleys, einer schönen Landschaft, die geprägt ist von Weidewirtschaft, Weinbau und Bergbau.
Mein Haus in Singleton ist natürlich, wie zu befürchten war, viel zu groß. Küche, Ess- und Wohnzimmer sind schon riesig, aber noch okay. Was ich allerdings mit zwei Badezimmern und drei Schlafzimmern anfangen soll, ist mir bis heute noch nicht ganz klar und konnte mir in der Firma auch keiner richtig beantworten. Vielleicht sollte ich mal darüber nachdenken, die Zimmer unterzuvermieten… Ach so, nicht zu vergessen sind noch die Abstellkammer (mit Waschmaschine und Trockner) und die Garage für mein Auto.


Die erste Woche war nicht allzu spannend. Wie das bei einem solchen Praktikum immer so ist, wird man erst einmal allen Leuten vorgestellt, bekommt seine Arbeitskleidung, macht das Sicherheitstraining und richtet seinen neuen Arbeitsplatz ein. Am Donnerstag gings dann zum ersten Mal in die Tagebaue. Mehrzahl ist hier richtig, da es sich um einen Verbund von mehreren Einzeltagebauen handelt, die zusammen koordiniert werden. Ich werde Euch diesbezüglich noch mit Detailinformationen versorgen, aber dazu später. Die Dimensionen der eingesetzten Löffelbagger, Draglines und Trucks sind immer wieder überwältigend und es dauert eine Weile, bis man sich hier zurechtfindet.



Mittlerweile habe ich mich aber schon ganz gut eingelesen und verstehe auch schon teilweise, über was die Kollegen bei Ihren täglichen Meetings sprechen. Überhaupt habe ich letzte Woche viel mit den Leuten gesprochen und Fragen gestellt, die erfreulicherweise sehr geduldig und ausführlich beantwortet wurden.
Seit vorgestern weis ich nun auch, was mich in den kommenden Wochen beschäftigen wird. Im Groben geht es darum, dass ein „Ecke“ eines Tagebaus nicht in einer Linie mit der Gewinnungsfront steht und sich dies in den kommenden beiden Jahren ändern soll. Dazu müssen in den Jahren 2009 und 2010 jeweils ca. 10 Mio. m³ Abraum zusätzlich zum regulärem Abbau gewonnen und verkippt werden. Da hierfür keinerlei eigene Gewinnungs- und Förderkapazitäten zur Verfügung stehen, wird eine Fremdfirma diese Arbeiten übernehmen. Diese muss allerdings wissen, wann, wo welches Material zu gewinnen ist und wo dieses verkippt werden soll. Die Erarbeitung eines solchen Gewinnungs- und Verkippungsplanes wird meine Aufgabe in den nächsten Wochen sein. Ende September müssen die Ergebnisse präsentiert werden. Ich hoffe, dass ich das alles gut schaffe.
Ab Montag werde ich mich mit dem Dragline- Planungsprogramm 3D-Dig vertraut machen, damit ich Ende der Woche bereits meine ersten Ergebnisse habe. Außerdem bekomme ich in der Woche vom 15. September ein Training für die Bergbauplanungssoftware Minescape in Brisbane.
Da Rio keinen Wert darauf legt, dass man einen bestimmten Flug nimmt, werde ich bereits am Samstagmorgen hinfliegen, sodass ich zwei ganze Tage Zeit habe, die Stadt zu besichtigen.
Heute habe ich erst einmal meinen Leihwagen – einen Nissan Maxima – abgegeben und gegen ein Firmenauto getauscht. Ich düse nun jeden Tag 11km mit einem Ford Fairmont zur Arbeit und wieder zurück. Mir ist auch aufgefallen, dass es in Australien offenbar mehreren Menschen so geht, wie Richard Eichler. Auf alle Fälle liegen alleine auf dem Weg zur Arbeit sechs Kängurus im Straßengraben, die offensichtlich die australischen Verkehrsregeln nicht kannten. Die hätten doch lieber einen Airbag im Beutel haben sollen, sozusagen einen Airbeutel. :-)

So, das solls fürs Erste gewesen sein. Sobald ich Internet habe, werde ich Euch dann hoffentlich etwas besser auf dem Laufenden halten können. Dann bekommt Ihr auch mehr Informationen zu meinem Bergwerk.

Bis dahin wünsche ich Euch alles Gute in den Semesterferien, beim Praktikum, bei der Arbeit in den anderen Business Units, beim Schreiben/Verteidigen der Studienarbeit, beim Lernen auf Prüfungen oder der Vorbereitung auf den EMC :-) … !

Simon

2 Kommentare:

nd1361 hat gesagt…
Der Kommentar wurde von einem Blog-Administrator entfernt.
heiko hat gesagt…

Hey,

its a really good report about your first week over here in Oz. Welcome again, and enjoy your time over here. Catch up with you somewhere on this continent. Bye bye, cheers, hk